Interview: Deutscher Europameister The­loke denkt an Wechsel nach Österreich

28. Juli 2005, 09:20
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27-Jähriger kann nach Rauswurf aus WM-Team mit Deutschen nicht mehr - "Fühl' mich noch in der Lage, Medaillen zu gewinnen"

Montreal/Berlin - Der Deutsche Stev Theloke, Schwimm-Europameister über 50 m Rücken, zeigt massives Interesse an einem Wechsel nach Österreich. Der 27-Jährige war vergangene Woche nach einer herben Kritik am Chef-Bundestrainer Ralf Beckmann aus dem deutschen WM-Team eliminiert worden, die Titelkämpfe in Montreal verfolgt er nun vor dem Fernseher. Eine sportliche Zukunft in Deutschland ist unwahrscheinlich, Österreich ein Wunschland.

Der gebürtige Sachse war zuletzt bei der Kurzbahn-WM im Oktober in Indianapolis international für Deutschland in Aktion getreten und ist daher vom Weltverband FINA aus theoretisch bereits im Dezember bei der Kurzbahn-EM in Triest für ein anderes Land startberechtigt. Notwendig dafür ist freilich die entsprechende Staatsbürgerschaft, zudem die Freigabe durch den deutschen Verband bzw. für Olympia jene vom deutschen NOK.

Österreichs Verbands-Generalsekretär Thomas Gangel zeigte sich vorerst einmal gesprächsbereit. "Theloke darf aber nicht nur sportliche Absichten haben, das ist zu wenig. Er muss auch gerne Österreicher sein, sich mit Österreich identifizieren." Im Telefon-Interview mit der Austria Presse Agentur (APA) nahm der aus Chemnitz stammende und in Berlin wohnende Theloke zu seinen Vorstellungen und Absichten Stellung.

Herr Theloke, stimmt es, dass sie nach ihrem Rauswurf aus dem deutschen Team einen Nationenwechsel anstreben?

Theloke: "Das ist korrekt! Ich bin 27 und glaube, dass ich auch nach der Aktion in Montreal noch fünf Jahre gut im Leistungssport bleiben kann. Ich fühl' mich noch in der Lage, Medaillen zu gewinnen."

Welche Länder kommen für Sie in Frage?

Theloke: "Ich muss mir viele Optionen frei halten. Das sind für mich Österreich, die Schweiz (Anm.: siebenjährige Wartefrist) und Monaco. Österreich hat ja mit Markus Rogan schon einen guten Rückenschwimmer. Aber wir wären doch gute Trainingspartner. Wir verstehen uns auch gut und haben bereits einige gute Rennen gegeneinander gehabt. 2002 bei der EM in Berlin war ich besser, dann einige Rennen lang Markus."

Das heißt, Sie würden auch zu Rogans Trainer Robert Michlmayr gehen?

Theloke: "Na ich hab' ja eine gute Trainerin. Aber man muss sich ja immer fragen, wie man seine Leistung verbessern kann. Da wären zum Beispiel gemeinsame Trainingslager möglich."

Ist die Tür zum deutschen Verband denn bereits ganz zu? Theloke: "Ich werde jetzt die WM abwarten und dann noch Gespräche führen. Nur die Strafen kann ich so nicht akzeptieren. Sicher werde ich aber rechtliche Schritte einleiten."

Dann ist eine Einigung mit dem deutschen Verband wohl eher unwahrscheinlich. Haben Sie denn schon Kontakt mit dem österreichischen Verband aufgenommen?

Theloke: "Während der WM will ich nicht stören. Aber nachher werden wir sehen, ob Interesse besteht. Ich will Qualifikationen für EM und WM schaffen und auch dafür kämpfen, nur brauche ich dafür auch einen Partner."

Haben Sie denn außer dem Wunsch nach einem sportlichen Wechsel einen Bezug zu Österreich?

Theloke: "Gar nichts, aber ich fahre gerne Ski (lacht). Und ich kann mich noch sehr gut an die EM 1995 erinnern, die war in dem Bad neben dem Praterstadion. Da hab ich davor bei der Jugend-EM fünf Mal Gold geholt - über 100 und 200 m Rücken, 200 m Lagen 4x100 m Kraul und 4x100 m Lagen - und bin dann in Wien vom Europa-Verband dafür ausgezeichnet worden. Das sind schöne Erinnerungen." (APA)

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    "Die Strafen kann ich so nicht akzeptieren"

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