Volksschule mit zweifelhaftem Namen

29. Juli 2005, 15:30
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Dokumente belasten Namensgeber der Schule in Langenlois - Altbürgermeister Josef Rucker war SS-Mann - mit Kommentar

Langenlois/Lambach - Sowohl der Stadtrat als auch der zuständige Ausschuss für "Bildung und Erziehung" sind sich einig: Die Josef-Rucker-Volksschule im niederösterreichischen Langenlois behält ihren Namen. "Dass dieser Schriftzug geändert werden muss, weil der (. . .) Altbürgermeister angeblich eine Nazi-Vergangenheit hatte, erscheint uns ein wenig kurios", antwortet Bürgermeister Kurt Renner besorgten Eltern.

Namenstafel abmontiert

Für Johann Ennser ist jenes Kapitel der Vergangenheit von Rucker hingegen eindeutig. Der ehemalige Lehrer arbeitet seit Jahren die Geschichte seines Heimatortes auf. Dabei stieß er auf "eindeutige Beweise, dass Rucker nicht nur NSDAP-, sondern auch SS-Mitglied war. Aufgrund dieses Rechercheergebnisses wandte er sich an den amtierenden Bürgermeister. Das Gedenkjahr erschien ihm als gute Gelegenheit, diesen braunen Fleck im Ort wegzuwischen. Zumal die Schule derzeit umgebaut wird und die Namenstafel deshalb abmontiert ist.

Doch auch Ennser erhielt vom Stadtoberhaupt die gleiche Antwort wie die Eltern. "Fest steht, dass der Gemeinderat im Jahr 1980 einstimmig beschossen hat, den damaligen Bürgermeister und Direktor (der Volksschule), in der Form zu ehren (. . .). Daran soll sich auch nichts ändern."

Ähnlich ist die Situation in Lambach in Oberösterreich. Der Gemeinderat und allen voran ÖVP-Bürgermeister Friedrich llk stellen sich mit klarer Mehrheit hinter ihre Ehrenbürgerin Margarethe von Pausinger (1880-1956). Die Malerin, auch mit eigener Straße geehrt, war aktives NSDAP-Mitglied und hatte im Dezember 1939 den Regimekritiker Friedrich Wingen denunziert. Ilk selbst scheut eine Stellungnahme: Er gebe dazu "keinen Kommentar, akzeptiere aber als Demokrat das Abstimmungsergebnis des Gemeinderats". Die Antifa Wels fordert nun eine Stellungnahme von Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP).

In Niederösterreich haben sich jetzt die Grünen dem Fall Josef-Rucker-Volksschule angenommen. Nachdem auf Gemeindeebene keine Umbenennung zu erreichen war, haben sie an die zuständige SPÖ-Landesrätin Christa Kranzl eine Anfrage geschickt: "Halten Sie es für angebracht, dass eine Schule in Niederösterreich nach einem ehemaligen SS-Funktionär benannt ist?" (ker, DER STANDARD Printausgabe 27.7.2005)

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