Dressur-EM: Gruppenbild ohne Mann

28. Juli 2005, 18:32
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Die Niederländer könnten den 20. Titel in Serie für Deutschland verhindern

Hagen/Wien - "Gatschig", sagt Elisabeth Max-Theurer, die Präsidentin der österreichischen Reiter und Pferde, sei es am Teutoburger Wald in Hagen bei Osnabrück, "so richtig gatschig." Doch obwohl es tagelang wie aus Schaffeln auf den Teutoburger Wald und seine Umgebung geregnet hat, ist Hagen bei Osnabrück das geringere Übel.

Dort beginnt morgen die EM im Dressurreiten, sie hätte ursprünglich in Moskau steigen sollen, Moskau wäre das größere Übel gewesen. Die Russen sollten sich mit einer Million an den Pferdetransportkosten beteiligen, sie konnten oder wollten dafür nicht garantieren, nachdem die Gattin des Moskauer Bürgermeisters Juri Luschkow als Präsidentin des Reitsportverbands abgewählt worden war. "Der Zeitpunkt der Wahl war kein guter", sagt Max-Theurer. "Hätte sie erst im Herbst stattgefunden, hätte sich Luschkow wohl stark gemacht für die EM." Insgesamt sind Österreicher und andere froh über die Verlegung. Nach Deutschland lässt es sich bequem und Kosten sparend per LKW reisen. Der Flug nach Moskau hätte selbst bei Beteiligung der Veranstalter noch 5000 Euro pro Pferd gekostet.

20 Titel in Serie

15 Teams bestreiten in Hagen am Donnerstag und am Freitag den Grand Prix de Dressage, dann wird man wissen, ob die Deutschen oder die Niederländer den Mannschaftstitel gewonnen haben. Wie etliche andere Kundige traut Max-Theurer den Niederländern mit Olympiasiegerin Anky van Grunsven diesmal mehr zu, am Ende könnten die Deutschen nach 20 Titeln in Serie erstmals seit 1965 ohne EM-Gold bleiben. Sie sind ihres Spitzenpferds Rusty und also Ulla Salzgebers verlustig gegangen, Rusty war nach Olympiasilber in Athen quasi zurückgetreten.

Österreich strebt bei der EM einen Top-10-Platz an. In Athen hatte die Mannschaft mit dem achten Rang positiv überrascht, die EM indes ist nicht schwächer besetzt als Olympia, im Dressurreiten mischen allein europäische Nationen an der Spitze mit. Diesmal bilden vier Damen die heimische Equipe, zu Vici Max-Theurer, der Tochter der Verbandspräsidentin, und Nina Stadlinger gesellen sich Renate Vogelsang und Caroline Kottas-Heldenberg, die Peter Gmoser vorgezogen wurde.

Die Damen wollen es jedenfalls besser machen als ihre Kollegen, die Herren Springreiter, die zuletzt bei ihrer EM als Zehnte klar hinter den Erwartungen geblieben sind. (Fritz Neumann - DER STANDARD PRINTAUSGABE 27.7. 2005)

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