Der andere Feind - von RAU

26. Juli 2005, 19:18
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Die Ausbreitung einer Gottesdiktatur ist wohl keine verhandelbare politische Causa, sondern eine Wahnidee

Die Djihadis seien anders, sagte Tony Blair in seiner Pressekonferenz. Sie hätten keine realistisch verhandelbaren Ziele und setzten sich kein Limit beim Töten, anders als die - "verstehen Sie mich richtig" - IRA. Tatsächlich ist die Ausbreitung einer Gottesdiktatur zunächst über den muslimisch-arabischen Raum und, zumindest als Fernziel, auch über die ganze Welt, wohl keine verhandelbare politische Causa, sondern eine Wahnidee. So wie das zeitweise weit gehend verwirklichte Vorhaben, eine Rassendiktatur über ganz Europa inklusive Russland zu errichten auch eine Wahnidee war, gepaart ebenfalls mit einem Tötungswillen ohne Limit.

In diesem Sinn ist auch der Djihadismus ein Feind der Menschheit, vergleichbar mit dem Nationalsozialismus und dem Stalinismus/Maoismus. Der Nationalsozialismus war allerdings militärisch niederzuringen, der Djihadismus nicht, ganz im Gegenteil, wie sich im Irak zeigt. Blair beharrte dennoch darauf, dass der Djihadismus nur durch die Ausbreitung von Demokratie und Menschenrechten auch auf den Mittleren Osten besiegt werden könne, was wiederum nicht falsch ist, aber im Irak denkbar katastrophal umgesetzt wird (auch von den Briten). (DER STANDARD, Printausgabe, 27.07.2005)

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