Britische Staatshilfe für den "Terrorturm"

26. Juli 2005, 17:41
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Mutmaßliche Bomber von London bezogen laut Boulevardzeitungen Wohngeld

London – Auf der Jagd nach den mutmaßlichen Attentätern von London hat die britische Polizei offenbar deren Wohnung im Vorort Southgate aufgespürt. Die Polizei habe bei Durchsuchungsaktionen in einem Apartment "Material" gefunden, das zur Herstellung von Bomben verwendet wird und nun kriminaltechnisch untersucht werde, verlautete am Dienstag aus Polizeikreisen.

Die Wohnung im Norden Londons wurde von den beiden mutmaßlichen Terroristen Muktar Said Ibrahim (27) und Yasin Hassan Omar (24) benutzt. Die Männer waren am Montag von der Londoner Polizei identifiziert worden und lebten laut Innenministerium mehr als zehn Jahre legal in Großbritannien. Beide kamen Anfang der 90er-Jahre als Kinder nach Großbritannien. Der Somalier Omar erhielt vor fünf Jahren eine unbeschränkte Aufenthaltsgenehmigung, der Etrireer Ibrahim bekam im vergangenen September einen britischen Pass.

Ein Abgeordneter eines Londoner Stadtteilrates bestätigte einen Bericht des Boulevardblatts The Sun, demzufolge die beiden Männer sechs Jahre lang von staatlicher Unterstützung gelebt hätten. Laut Sun bekam Omar in dieser Zeit 23.000 Pfund – umgerechnet 33.300 Euro – Wohngeld. Ibrahim und Omar sind ebenso wie ihre beiden noch nicht identifizierten Komplizen untergetaucht. Sie hatten vergangenen Donnerstag versucht, Bomben in drei U-Bahnen und einem Bus zu zünden, was aber nicht funktionierte. Eine fünfte Bombe wurde später in einem Londoner Park gefunden.

"Bombenwerkstatt"

Britische Medien bezeichneten das Hochhaus aus den 60er-Jahren im Londoner Norden als "Terrorturm" und berichteten von einer "Bombenwerkstatt in der neunten Etage". Der Daily Telegraph zitierte einen "Freund" der Männer, wonach Ibrahim und Omar mit zwei weiteren Freunden in dem Apartment lebten. Demnach besuchten Omar und Ibrahim zwei Londoner Moscheen in Brixton und Finxbury Park, die als Treffpunkte radikaler Islamisten gelten.

Die Durchsuchung der Wohnung begann bereits in der Nacht zum Montag und dauerte nach Polizeiangaben am Dienstag an. Bewohner des Wohnblocks wurden in Zeitungen mit der Aussage zitiert, sie hätten die beiden mutmaßlichen Attentäter und einen dritten Mann namens George beobachtet, als diese vor etwa drei Wochen etwa 50 Behältnisse in die Wohnung brachten.

Im Zusammenhang mit den versuchten Anschlägen der vergangenen Woche stellte die Polizei im Norden von London auch ein Auto sicher. Das Fahrzeug war im Gebiet East Finchley in der Nähe des Londoner Vororts Southgate entdeckt worden, auf den sich die Ermittlungen derzeit konzentrieren.

Blair verteidigt sich

Regierungschef Tony Blair bestritt indes bei einer Pressekonferenz erneut, dass die Anschläge in London durch die Teilnahme Großbritanniens am Irakkrieg provoziert wurden. "Der 11. September hat mich wachgerüttelt. Und wissen Sie, was das Problem ist? Ein großer Teil der Welt ist für kurze Zeit wach geworden, aber inzwischen wieder eingeschlafen."

Nach einem Treffen mit den Oppositionschef Michael Howard und Charles Kennedy plädierte Blair für eine Verlängerung der Untersuchungshaft für Terrorverdächtige von bisher zwei Wochen auf drei Monate. Blairs Beliebtheit ist einer Umfrage der Times zufolge seit den Anschlägen gestiegen. (AFP, Reuters, red/DER STANDARD, Printausgabe, 27.07.2005)

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