"Freche Lügen" über die Merkelsteuer

31. Juli 2005, 20:11
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Parteien zeigen erste Wahlkampfplakate – CDU setzt auf 6000 freiwillige Helfer und die Farbe Orange

Orange. Alles ist orange. Die Kostüme der Serviererinnen, die dekorativen Marillen, die überall herumstehen, sowieso, auch die Kaffeebecher und das Foyer im Berliner Konrad-Adenauer-Haus. CDU-Generalsekretär Volker Kauder hat sich sogar eine orange Krawatte umgebunden. Sind wir hier beim BZÖ? Nein, nein, sagt Pressesprecher Klaus Zemke (ebenfalls orange Krawatte) zum Standard, die CDU benutze diese "fröhliche Farbe" schon viel länger als die Haider-Partei, und wenn man ob des vielen Orange Assoziationen habe, dann möge man doch bitte eher an die Revolution in der Ukraine denken.

Große Tage waren das damals in Kiew, und die CDU hat am 18. September auch nichts Geringes vor: "Wir wollen den Machtwechsel", stellt Kampagnenchef Kauder bei der Eröffnung der CDU-Wahlkampfzentrale zum ungefähr zweihundertsechzehnten Mal in diesem Monat klar, und an der Wand neben ihm erscheint – natürlich in Orange – der Slogan vom "teAM Zukunft". "Warum ist das denn so merkwürdig geschrieben", fragt jemand. Meine Güte, wo war der Mann in den vergangenen Wochen? A und M stehen natürlich für Angela Merkel.

Ab sofort plakatiert die CDU feuerrote Plakate, auf denen die "Bilanz" von Rot-Grün aufgelistet ist: "Fünf Millionen Menschen ohne Arbeit, 1000 Arbeitsplätze weniger pro Tag, alle 15 Minuten eine Firmenpleite, sechs Millionen Schulden pro Minute." Daneben strahlt Angie frisch geföhnt vom Plakat und hat die Lösung: "Deutschland braucht den Wechsel."

Und was Kauder am meisten rührt: Tausende wollen mithelfen – ohne Bezahlung, nur für eine Pizza. 6000 meist junge Menschen haben sich schon gemeldet, und ein paar von ihnen sind auserwählt. Die kleben nicht irgendwo im Schwarzwald Plakate, sondern haben es bis in die "arena 05" (so heißt das Adenauer- Haus zurzeit) geschafft. So wie Beate Unwirth (33), die eigentlich in einer PR-Agentur arbeitet, sich jetzt aber für Merkel und "diese tolle Chance des Neubeginns" engagiert. Also beantwortet sie Fragen des Volkes zum CDU-Wahlprogramm.

"Münte" beobachten

Ein paar Türen weiter sitzen die bezahlten Angestellten. Sie haben ja auch den härteren Job: Feindbeobachtung. "Wenn der Müntefering wieder freche Lügen erzählt, zum Beispiel, dass die CDU auch auf Mieten Mehrwertsteuer erheben will, reagieren wir sofort", sagt Kauder.

Die Mehrwertsteuer. Von 16 auf 18 Prozent will die Union sie erhöhen und gleichzeitig die Lohnnebenkosten senken. Klar, dass die SPD das in ihrem Wahlkampf aufgreift. "Deutschland kann sich CDU/CSU nicht leisten", lautet einer ihrer Slogans. Die CDU-Chefin animiert die SPD-Wahlkämpfer sogar zum Reimen, und so heißt es auf einem anderen Plakat: "Merkelsteuer, das wird teuer." (DER STANDARD, Printausgabe, 27.7.2005)

Birgit Baumann aus Berlin
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Angela Merkel als Che Guevara auf einem CDU-T-Shirt

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