Standort-Ranking: Lob und Tadel für Österreich

26. Juli 2005, 17:43
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Bertelsmann-Stiftung reiht Österreich im oberen Mittelfeld - Gutes Zeugnis für flexiblen Arbeitsmarkt - Mehr Integration älterer Arbeitnehmer gefordert

Wien - Österreich ist im internationalen Standort-Ranking der deutschen Bertelsmann-Stiftung vom Sommer 2005 zwar leicht zurückgefallen, liegt aber noch im oberen Mittelfeld. Ein gutes Zeugnis stellt der Standort-Check vor allem dem flexiblen österreichischen Arbeitsmarkt sowie der Wachstumspolitik aus. Kritisch sehen die Ökonomen der Bertelsmann-Stiftung den aufgeblähten öffentlichen Sektor sowie die Staatsverschuldung.

Vereinfachung des Steuerrechts

Als weitere Schritte in der Wirtschaftspolitik seien neben der Konsolidierung der Staatsfinanzen eine Vereinfachung des Steuerrechts sowie die Schaffung stärkerer Beschäftigungsanreize zusammen mit einer verbesserten Integration älterer Arbeitnehmer in den Arbeitsmarkt notwendig, heißt es in einer Pressemitteilung von heute, Dienstag. Die Möglichkeiten zur Frühpension sollten im Rahmen der Pensionsreform weiter konsequent eingeschränkt werden. Zudem sollte die Koppelung der Löhne und Gehälter an das Lebensalter abgeschafft werden. Insgesamt seien in Österreich aber bereits wichtige Weichen für nachhaltiges Wachstum und ein Bestehen im schärfer werdenden internationalen Wettbewerb gestellt worden. Österreich habe gute Chancen, einer der Gewinner der EU-Erweiterung zu werden. Voraussetzung sei aber, dass der Reformeifer nicht erlahme.

Im Erfolgsindex zurückgefallen

Beim Erfolgsindex hat sich Österreich unter den 21 in der Wertung vertretenen Industrienationen von Rang sieben auf Rang acht (94,9 Punkte) verschlechtert. Gemessen wird mit diesem Indikator, wie erfolgreich eine Volkswirtschaft beim Arbeitsmarkt (standardisierte Arbeitslosenrate und Erwerbstätigenzuwachs) und Wirtschaftswachstum (Bruttoinlandsprodukt pro Kopf und Potenzialwachstum) ist. Unverändert an erster Stelle liegt hier im Ranking Irland (117,7 Punkte), gefolgt von den USA (105,0 Punkte) und Neuseeland (103,6). Vor Österreich liegen noch Norwegen (103,5), Australien (101,5), Großbritannien (98,2) und Kanada (95,3) Punkte. Deutschland liegt mit nur 66 Punkten an letzter Stelle. Die Schweiz nimmt den elften Rang mit 90,1 Punkten ein.

Gutes Zeugnis für Arbeitsmarkt

Positiv sei die Situation auf dem österreichischen Arbeitsmarkt. Die standardisierte Arbeitslosenquote sei 2004 trotz leicht steigender Tendenz bei 4,5 Prozent und damit unter dem Durchschnitt der untersuchten Nationen von 6,6 Prozent gelegen. Nach österreichischer Berechnungsmethode wurde für 2004 eine Arbeitslosenquote von 7,1 Prozent ausgewiesen. Zudem sei die Erwerbstätigkeit in Österreich wieder deutlich gestiegen. "Sieht man von der natürlichen Sockelarbeitslosigkeit ab, so herrscht auf dem österreichischen Arbeitsmarkt nahezu Vollbeschäftigung, so Projektmanager Eric Thode. Ein großes Plus sei die Flexibilität am österreichischen Arbeitsmarkt. Zudem drückten Langzeit- und Jugendarbeitslosigkeit Österreich spürbar schwächer als andere Industrienationen.

Ältere Arbeitnehmer im Fokus

Besorgnis erregend sei allerdings die Arbeitsmarktsituation bei älteren Arbeitnehmern. Obwohl in Österreich nicht einmal 30 Prozent der 55- bis 64-Jährigen am Arbeitsmarkt aktiv sind - in der Schweiz beispielsweise seien es 67 Prozent - sei die Arbeitslosenquote in diesem Bereich um fast 2 Prozentpunkte höher als die allgemeine Arbeitslosenquote. Dieser Unterschied sei nirgendwo sonst so groß.

Weitere positive Punkte sind für die Bertelsmann-Stiftung, dass das Pro-Kopf-Einkommen in Österreich höher war als das britische und gleich hoch wie das dänische. Die Investitionstätigkeit sei rege und weniger gestreikt werde lediglich in Japan. Auch die rechtzeitig eingeleitete Pensionsreform und die Senkung des Körperschaftsteuersatzes von 34 auf 25 Prozent zeigten, dass Österreich für den schärfer werdenden internationalen Wettbewerb gut gerüstet sei.

Beim so genannten Aktivitätsindex, der als Frühindikator dient, liegt Österreich trotz einer leichten Verschlechterung mit 87,7 Punkten unverändert auf Rang zwölf. An erster Stelle liegt hier Neuseeland (103,8 Punkte), gefolgt von Australien (103,6), der Schweiz (100,1), Irland (97,6) und Norwegen (95,3). Besser als Österreich schneiden auch noch die USA (95,3), Kanada (94,7), Großbritannien (92,2), Japan (91,1), Dänemark (90,2) und die Niederlande (88,1) ab. Deutschland liegt hier mit 80,9 Punkten auf Rang 17. (APA)

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