Traditionelle Architektur trotzt Erdbeben

30. Juli 2005, 20:30
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TU Wien: Jüngstes Erdbeben zerstörte Bausubstanz moderner Betonbauten - traditionelle Häuser großteils unbeschädigt

Wien - Traditionelle Architektur ist für viele Menschen optisch ansprechender als moderne Bauten. Auf der von Tsunami und Erdbeben heimgesuchten Insel Nias vor der Küste Sumatras (Indonesien) haben Wissenschafter der Technischen Universität (TU) nun festgestellt, dass die alten Holzgebäude auch in punkto Erdbebensicherheit modernen Betonbauten um ein Vielfaches überlegen sind.

Eine Recherche der TU-Wissenschafter hat ergeben, dass sich vor allem das jüngste Erdbeben im März 2005 verheerend ausgewirkt hat. Es gab nicht nur über 1.000 Tote, auch die Bausubstanz wurde fast völlig zerstört. "Als erdbebensicher hat sich lediglich die besondere, traditionelle Bauweise auf der Insel erwiesen", sagte dazu Projektkoordinatorin Petra Gruber vom Institut für Architektur und Entwerfen der TU Wien.

Alte Bauweise

Die alten Gebäude bestehen durchwegs aus Holz, diesem Baustoff sagen Experten ohnehin besondere Erdbebensicherheit nach. Die Bauweise ist dreiteilig: Die Basis ist eine so genannte Aufständerung, also ein Konstruktion aus Stelzen, die meist nur als Lagerraum oder für die Tierhaltung verwendet wird. Das eigentliche Wohngeschoß ist darauf aufgesetzt, gleichsam eine große, stabile Schachtel aus Holz. "Selbst wenn die Aufständerung etwa durch ein Erdbeben beschädigt wird und teilweise einknickt, bleibt das Wohngeschoß weitgehend intakt und die Menschen unverletzt", so die Expertin. Das Dach schließlich ist sehr hoch, gleichzeitig aber auch ausgesprochen leicht.

Ein Lokalaugenschein hat ergeben, dass neuere Bauten, die größtenteils aus Fertigbeton bestehen und nur sehr mangelhafte Fundamente besitzen, zu 90 Prozent eingestürzt sind. Bei den traditionellen Holzbauten waren dagegen weniger als 30 Prozent beschädigt, berichtete Gruber.

Holzmangel

Den Menschen für die Zukunft die Errichtung der traditionellen Gebäude zu empfehlen ist zwar nahe liegend, aber mit Problemen verbunden. So steht das geeignete Holz meist nicht mehr zur Verfügung. Die Wälder sind längst abgeholzt, heute gibt es hauptsächlich Gummibäume und Palmen, die für den Hausbau ungeeignet sind.

Aber selbst wenn das Holz noch aufgetrieben werden kann, geht das architektonische Wissen nach und nach verloren. Abhilfe soll ein Museum schaffen, das ein Pater im Städtchen Gunung Sitoli auf Nias errichtet hat. Die Wiener Architekten planen nun auch ein Forschungsprojekt, wie das traditionelle Wissen auch mit anderen, verfügbaren Baustoffen verwirklicht und erhalten werden kann. Für das Projekt suchen die Wissenschafter allerdings noch Sponsoren. (APA)

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    Nach dem jüngsten Erdbeben im März 2005 waren die meisten modernen Betonbauten eingestürzt, die traditionellen Bauten (im Bild) trugen wenig Schäden davon.

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