Die mit dem Kühlschrank tanzen

26. Juli 2005, 15:11
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Unter dem Label "Taldans" zeigen die beiden Künstler Filiz Sizanli und Mustafa Kaplan erstmals bei ImPulsTanz zwei außergewöhnliche Werkbeispiele zeitgenössischer türkischer Choreografie.

Sie studierte Architektur, er Ingenieurwissenschaften.

Und jetzt studieren sie Körper in Bewegung. Die türkischen Choreografen und Tänzer Filiz Sizanli und Mustafa Kaplan machen vor allem physikalische Gesetze in der Interaktion gegensätzlicher Kräfte zum Thema ihrer unerschrockenen Arbeit, die erstmals in Wien zu sehen ist.

In Dolap wird ein Kühlschrank zum Spielball der beiden Tänzer. Ausgangspunkt der Choreografie war die Aufgabe, das Ungetüm zu transportieren. Herausgekommen ist ein atemberaubendes Spiel mit der Schwerkraft. Immer wagemutiger schupfen die beiden den Kühlschrank untereinander hin und her.

Ohne Musik, nur von dem durch die taktgenauen Wiederholungen uniformen Aufschlagen von Kühlschrank und Körpern auf dem Holzboden begleitet, treiben sie ihre Körperarbeit auf die Spitze. Zwei kleine Spielzeug-Turner klappern den Rhythmus bei Sek Sek, dem zweiten Teil des Abends. Ein Gegengewicht hält die Männchen am Reck in Schwung, und nach ebendiesem Prinzip funktioniert auch das intime Duo zwischen Sizanli und Kaplan. Die Körper werden zu Maßeinheiten und Bewegungsträgern im Raum, die sich gegenseitig als Motor dienen. Wie zuvor der Kühlschrank ergibt sich jetzt Sizanli der Schwerkraft, fällt und wird reflexartig im letzten Moment von Kaplan aufgefangen.

Neugierig wie Kinder machen sich die zwei auf die Erkundung der Gesetze der alltäglichen Welt. Wie in Kinderspielen sind es schier endlose Wiederholungen, die mit ihren minimalen Variationen das Risiko des Herantastens an die Grenze möglich machen. (hel/DER STANDARD, Printausgabe, 25.07.2005)

"Dolap" und "Sek Sek" im Schauspielh., 8.+9. 8., 21.00
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