Pressestimmen: "Irak nur ein Vorwand für Terroristen"

27. Juli 2005, 20:09
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"The Times": "Schwaches Argument" der Truppenpräsenz - "La Repubblica": Gibt es "eine Lizenz zum Töten"?

London - Die Zeitung "The Times" (London) beschäftigt sich am Dienstag mit der Frage, ob die britische Beteiligung am Irak-Krieg eine der Ursachen für die Terroranschläge ist. Die römische Zeitung "La Repubblica" fragt wiederum, ob es denn in bestimmten Situationen "eine Lizenz zum Töten" geben könne.

"The Times" (London):

"Das Argument, dass London sicher wäre, wenn Großbritannien nur nicht im Irak präsent wäre, ist so schwach, dass es sich kaum lohnt, darauf einzugehen. Wenn die britischen Streitkräfte eine islamische Regierung gestürzt und es bewusst auf unschuldige Muslime abgesehen hätten, dann vielleicht - aber das Gegenteil ist wahr. Großbritannien hat mitgeholfen, einen durch und durch unreligiösen Diktator zu stürzen, der Stalin verehrte. Der neue Irak dagegen ist alles andere als dem Islam feindlich gesinnt.

Natürlich haben die so schmeichelhaft als 'Aufständische' bezeichneten islamischen Extremisten im Irak eine weltweite Anziehungskraft. Doch das ist nicht das erste Mal. Auch der Bosnien-Krieg hatte Mitte der 90er Jahre eine solche Funktion, obwohl die USA die internationalen Hilfsanstrengungen anführten. Man muss wirklich begreifen, dass diese Extremisten immer neue Rechtfertigungen finden werden: die Emanzipation der Frauen, die Akzeptanz von Homosexualität im Westen, schon die Existenz gemäßigter Muslime."

"La Repubblica" (Rom):

"Darf man eine "Lizenz zum Töten" ausstellen? Mit der Frage sind wir an einem extremen Aspekt der Diskussionen angelangt, die durch die jüngsten Attentate ausgelöst wurden. Es handelt sich in diesem Fall nicht nur darum, sich zu fragen, in welcher Weise die Sicherheit für die Bürger eine Beschränkung der individuellen Freiheiten rechtfertigt, eine Beschränkung der Persönlichkeitsrechte oder eine Beschränkung des Verkehrs und der Kommunikation. Was hier zur Diskussion gestellt wird, ist das höchste Gut, der Respekt vor dem menschlichen Leben. (...)

Es ist so viel über die Kultur des Lebens gesprochen worden, als unüberschreitbare Grenze, dafür und dagegen, behalten wir dies auch in diesen Situation in unserem Gedächtnis. Der Terrorismus stellt eine radikale Negation des Lebens dar, der Attentäter und Opfer gleicherweise vernichtet." (APA/dpa)

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