"Also, Vista steht für..."

23. Dezember 2005, 12:08
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Konzern reagiert auf interne Unstimmigkeiten - Wie Microsoft seinen Angestellten und Partnern die Umbenennung von Longhorn zu Vista erklärt

Die Nachfolge-Generation von Microsofts Windows-Betriebssystem XP wird künftig "Windows Vista" heißen. Den offiziellen Namen des bisher unter dem Codenamen "Longhorn" bekannten Systems gab der Softwarekonzern am Freitag bei bekannt – der WebStandard berichtete.

"Perspektive"

"Windows Vista" (Vista: Blick, Sicht, Perspektive) soll nach den Plänen von Microsoft Ende 2006 in den Handel kommen. Sie würde demnach fünf Jahre nach dem Vorgänger Windows XP erscheinen, die längste Zeitspanne zwischen zwei Versionen des Betriebssystems.

Erklärungsversuche

Laut einem Bericht von WindowsIT Pro wurde nicht nur die Öffentlichkeit von der Umbenennung von "Longhorn" in "Vista" überrascht, sondern auch die Mehrheit der Microsoft MitarbeiterInnen – die dem neuen Namen teilweise auch nicht unkritisch gegenüber steht. Diesen und auch seinen Partnern erklärt Microsoft nun wie es zu dem Namen gekommen ist und was transportiert werden soll. Laut einem internen Microsoft-Dokument war die Ankündigung von Windows Vista in der letzten Woche keine zufällige – vielmehr wollte man eine Abkehr von den Enttäuschungen bei Longhorn einläuten.

Die interne Meldung

Auf der Webseite wurde zudem der Wortlaut der internen Meldung veröffentlicht. Dieser lautet: "The strategic objective [is to] communicate the essence of Windows Vista and start to make it real for influentials, partners, customers, and [Microsoft] employees, with an element of surprise to help fuel anticipation prior to Beta 1," so das interne Papier. "[Microsoft will] continue to establish credibility by announcing Beta 1 timing as a proof point to development progress and meeting our milestone commitments [and will] reaffirm that Windows Vista Beta 1 is a build for IT audiences, primarily focused on the 'confidence' pillar (fundamentals) at this point in time, but more is to come."

Interner Newsletter

In einem internen Microsoft-Newsletter erklärt John B. Williams, Generalmanager von Windows Communications, den MitarbeiterInnen den Namensfindungsprozess. "Ein wesentlicher Grund für die Veröffentlichung des neuen Namens war das Sichtbarmachen der Fähigkeiten des Produkts und eine Positionierung auf dem Markt. Wir haben ein internes Brainstorming gestartet und über tausend Namen gefunden. Nach mehreren Durchläufen, Reviews und Diskussionen wurde die Liste der möglichen Namen kleiner und kleiner. Am Ende hatten wir einen finalen soliden Kandidaten."

Möglichkeiten

Der Softwarekonzern dürfte tatsächlich einige tausend Namen durchgearbeitet haben – von Windows Seven über Windows 07 – da als Starttermin vom Jahr 2007 ausgegangen wurde, aber auch Windows 6.0, falls ein früherer Start möglich gewesen wäre, oder auch Windows NG – für Next Generation – wären mögliche aussichtsreiche Kandidaten gewesen. "In der Endphase hatten wir als mögliche Namen eine Version mit Nummer (07, Seven oder auch noch 6.0) oder den Anhang View oder Vista. Da aber die Versionen mit Durchnummerierung keineswegs die Emotionen, die damit verknüpft werden sollen, transportiert hätte, sind wir von dieser Variante abgegangen", so Windows IT Pro zu dem interen Newsletter.

Jim Allchin entschied

Laut Williams hatte Vize-Präsident Jim Allchin die finale Entscheidungshoheit über den neuen Brand. Die Marketingabteilung folgte der Entscheidung von Allchin nicht nur mit dem Namen sondern auch mit den Ideen und Gedanken hinter dem Produkt. "Wie können wir darauf aufmerksam machen, was das Produkt ist, was es bringt, was der Wert ist, den es liefert – vor allem in der Positionierung gegenüber unserer Konkurrenz?", so Williams. "Es war die Antwort auf all diese Fragen, die uns auf diesen Namen brachte".

Whistler und Longhorn

Microsoft war zudem der Meinung, dass PartnerInnen, MitarbeiterInnen und KundInnen Schwierigkeiten hätten den Terminus "Longhorn" fallen zu lassen, da er bereits vier Jahre in Verwendung sei.

Bild: Windows Vista

Je näher ein Produkt seiner Fertigstellung kommt – und bald soll ja die erste Beta-Version von Longhorns neuem Betriebssystem erscheinen – desto wichtiger sind griffige Namen und der Transport von Inhalten über die Marke. In Erinnerung ruft Williams dann auch den Codenamen von Windows XP – dieser war "Whistler", aber sowohl KundInnen wie auch viele MitarbeiterInnen würden sich daran bereits nicht mehr erinnern.

Weitere Erklärungen

In einer Meldung an die MitarbeiterInnen der Abteilung "Windows Client Business", erklärt der Senior Vice President Will Poole einen Tag nach Bekanntwerden des neuen Namens dessen Bedeutung. "Gestern, auf einem Microsoft Global Briefing im Georgia Dome, haben wir einen signifikanten Meilenstein erreicht. Wir haben den Namen unseres kommenden Client Betriebssystems bekannt gegeben, Windows Vista... Unsere Marketingteams haben uns geholfen ein Momentum für EntwicklerInnen, KundInnen und PartnerInnen zu finden. Beta 1 wird ein Erfolg werden, wegen der Anstrengungen so vieler von Euch. Wir sollten nun alle stolz sein, was wir mit Windows Vista erreicht haben. Der Name unseres Produkts beinhaltet die Quintessenz und Werte, die es liefert – in zwei Worten: Windows Vista. Wir leben heute in einer Welt des Mehr an Informationen, mit mehr Möglichkeiten zu Kommunizieren und mehr Dingen zu erleben. Jeden Tag nutzen Millionen Menschen weltweit ihre Windows PCS um ihr digitales Leben zu managen. Existierende Tools für die Verwaltung dieser digitalen Informationen sind stark, aber die heutige Welt erwartet mehr. Der PC soll helfen, durch die Informationen und Vorlieben zu leiten". Nun im Original: "Windows Vista brings clarity to your world and helps you to be confident, clear, and connected."(red)

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