Die kalte Stimme der Autorin

26. Juli 2005, 15:15
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Noch mehr Neues aus der österreichischen Choreografie

Der Text von Elfriede Jelinek, die Musik des 1994 verstorbenen Komponisten Roman Haubenstock-Ramati und die Choreografie von Bernd Bienert gehen in dem Stück Unruhiges Wohnen jeweils eigenständige Wege.

"Die Choreografie zeichnet weder den Text Elfriede Jelineks in irgendeiner Art von Naturalismus nach, noch schmiegt sie sich an die Klanglandschaften des Komponisten. Der Härte und Kälte der Stimme der Autorin einen Widerpart entgegensetzend, versucht der Tanz allein mit dem Mittel der unwiederholbaren, fortwährenden Kühle der Bewegung den Text in eine Parallelwelt der Körper zu transferieren", schreibt Bernd Bienert, ehemaliger Staatsoperntänzer und Ballettdirektor des Zürcher Balletts.

Segeln mit Jelinek

Von einem "hochkünstlichen Werk" sprach die Basler Zeitung nach der Schweizer Premiere: "Und nichts kann anschaulicher und perfekter schweigen als die Abstraktion. So segeln die Tänzer dahin, in kalter, nadelscharf getanzter Schönheit." Bei der Wiener Neueinstudierung "segeln" u. a. die (ehemaligen) Tänzer des Wiener Staatsopernballetts Simona Noja, Jürgen Wagner und Fabien Voranger.

Wie wirkt sich unsere heutige Wahrnehmung der technologiegeprägten Welt auf unsere Körpererfahrung aus? Wie verändert sich unser Körper in dieser medialen Umgebung? Cyborgs, Sciencefiction und Cloning sind Themen, die sich in den Arbeiten von Chris Haring immer wieder finden. Zu seinen erfolgreichsten Produktionen zählen die mit dem Multimedia-Künstler und Musiker Klaus Obermaier entstandenen Video-Tanzperformances D.A.V.E. und Vivisector, mit denen er in weiten Teilen Europas, in Asien und Australien gastierte. In die aktuelle Diskussion um den Helden-Begriff mischt er sich mit seiner neuen Produktion Kind of heroes.
Es geht darin nicht um strahlende Heroen, sondern um verschämte Eintagshelden. Sind diese als Helden wirklich brauchbar, sind sie nicht eher lächerlich? Kind of heroes ist das erste Stück der Performance-Serie My private bodyshop mit von bildenden Künstlern gestalteten Bühnensets oder Installationen. Erwin Wurm gestaltet diesmal das Ambiente, in dem die Tänzer Stefanie Cumming, Ulrika Kinn Swensson und Johnny Schoofs agieren. Die Endfassung des gesamten Projekts My private bodyshop ist im Oktober 2005 im Tanzquartier Wien zu sehen.

"Als offenes Präsentationsformat für Experimentelles, Unfertiges, Gewagtes" bezeichnet ImPulsTanz den Abend, an dem junge, in Österreich lebende Choreografen kurze Ausschnitte aus ihren aktuellen Produktionen zeigen. Der Titel Subject to Change weist darauf hin, dass es sich beim Gezeigten um Teilergebnisse und bzw. oder Arbeitsprozesse handelt. Die teilnehmenden Künstler sind: Katharina Weinhuber, Radek Hewelt, Linda Samaraweerova und Ria Probst.

Extratipp: Eine Auseinandersetzung mit dem Körper in der Fotografie und in der Folge als Klischee in den Medien stellt die neue Arbeit I feel sick der österreichischen Company Pilottanzt dar. Aus einer puzzlehaften Aneinanderreihung von Posen resultiert eine ironisch-absurde Bewegungssprache, die von der Tänzerin Doris Ebner umgesetzt wird. Pilottanzt teilt sich einen Abend mit Georg Blaschke, der in dem Stück 12manandawomanwaltzes über das Thema Liebe walzert. (DER STANDARD, Printausgabe, 26.07.2005)

Von
Edith Wolf Perez
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