Leuchtende junge Sterne

26. Juli 2005, 15:12
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Auch in Teil 2 der Nachwuchsreihe [8:tension] präsentiert Kuratorin Christa Spatt tolle Newcomer: Etienne Guilloteau, Serge-Aimé Coulibaly, Ingrid Reisetbauer und Paz Rojo.

Die Geheimtipps des diesjährigen Impulstanzfestivals zeigen, dass die aus dem Körper drängende, energetische und kommunikative Bewegung nicht aus dem zeitgenössischen Tanz verschwunden ist. Das Körpergedächtnis der jungen Choreografie scheint sich wieder an die Magie der gestischen Erzählung zu erinnern.

Intimes Gedächtnis

Der junge Franzose Etienne Guilloteau, der u. a. mit Vincent Dunoyer und Davis Freeman gearbeitet hat, präsentiert mit Skènè einen sehr zeitgenössischen und präzise choreografierten Pas de deux. Ohne direkte körperliche Berührung steigert sich die Intimität zwischen den Tänzern in einem außergewöhnlichen Lichtdesign von Hans Meijer und zu Wolfgang Amadeus Mozarts Klängen.

Für die österreichische Choreografin Ingrid Reisetbauer ist der Körper ein Gedächtnisort, in dem persönliche und kollektive Geschichten gespeichert sind. Ihr Solo Drängen basiert auf der "Authentic Movement"-Technik, mit deren Hilfe sie ungesteuerte, "unzensurierte" Bewegungen aus ihrem Unterbewusstsein hervorzuholen sucht.

Eine Videoprojektion (von Johanna Tatzgern), in der abstrakte Raumwege von Passanten auf einem öffentlichen Platz vogelperspektivisch abgefilmt sind, wird dabei zur Gegenspiegelung des individuellen choreografischen Materials.

Eine einfache Wand irgendwo in Afrika wird zum Ort der Begegnung und der Eskalation. Der junge Choreograf Serge-Aimé Coulibaly, letztes Jahr noch als Tänzer in Sidi Larbi Cherkaouis Tempus Fugit zu sehen, setzt sich mit dem Faso Danse Theatre in Et demain . . . mit dem Genozid in Ruanda auseinander. Diese pulsierende Tanztheaterproduktion bewegt sich in ihrer Fusion von afrikanischem und zeitgenössischem Tanz jenseits von Stereotypen.

Wie überträgt man sein eigenes Solo auf einen anderen, also fremden Körper? Die junge Spanierin Paz Rojo sucht in Basic Dance, begleitet von dem Dramaturgen Robert Steijn und der slowenischen Philosophin Bojana Kunst, nach einer Übersetzungsmöglichkeiten von Bewegungen. Der brasilianische Tänzer Christian Duarte wiederholt nicht nur die Choreografie, sondern interpretiert ihr Solo auf humorvolle Weise. Er verkörpert so seine eigene Geschichte und macht die ihre anders lesbar. (DER STANDARD, Printausgabe, 26.07.2005)

Von
Nicole Haitzinger
  • Artikelbild
    tatzgern
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