Infineon verdoppelt Verlust

31. Juli 2005, 18:36
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Weniger Umsatz und drastisch gestiegene Verlust beim gebeutelten Chipkonzern

München - Der wegen der Schmiergeldaffäre angeschlagene deutsche Chiphersteller Infineon ist tiefer in die roten Zahlen gerutscht und hat die Erwartungen von Analysten enttäuscht. Im dritten Quartal verbuchte der Münchner Konzern ein Minus von 240 Mio. Euro. Das war mehr als doppelt so viel wie im zweiten Quartal (minus 114 Mio. Euro). Analysten hatten mit einem Verlust von maximal 187 Mio. Euro gerechnet. Grund ist laut Infineon der hohe Preisdruck bei Speicherprodukten.

Auch die geplante Schließung des Werks in München-Perlach wird als Kostenbelastungsfaktor genannt. Ein Teil der Produktion wandert wie berichtet nach Villach. Die Sonderaufwendungen beliefen sich den Angaben zufolge auf Grund der auslaufenden Produktion in München-Perlach und Wertminderungen im Segment Kommunikation auf 81 Mio. Euro.A

Verhaltende Zuversicht

Vorstandschef Wolfgang Ziebart zeigte sich dennoch verhalten zuversichtlich: "Nichtsdestotrotz erwarten wir im Vergleich zum Dritten ein verbessertes viertes Quartal", erklärte er.

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) verschlechterte sich im dritten Quartal auf minus 234 Millionen Euro, nach minus 117 Mio. Euro in den Monaten Jänner bis März. Der Umsatz lag im dritten Quartal bei 1,61 Mrd. Euro und damit auf dem gleichen Niveau wie im Vorquartal. Umsatzsteigerungen bei Speicherprodukten seien durch geringere Umsätze in den Bereichen Kommunikation sowie Automobil-, Industrieelektronik und Multimarket wieder aufgezehrt worden, hieß es.

Auf die ersten neun Monate des Geschäftsjahrs gerechnet lag der Verlust bei 212 Mio. Euro gegenüber einem Konzernüberschuss von 17 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum.

Hoffnung auf das vierte Quartal

Für das vierte Quartal des laufenden Geschäftsjahres hofft Infineon vor allem auf das Geschäft mit Auto- und Industrieelektronik. Im Geschäft mit Sicherheits- und Chipkarten sei dagegen keine Besserung zu erwarten. Insgesamt hofft Infineon im vierten Quartal auf einen stabilen Umsatz und ein stabiles EBIT.

Für die wichtige Speicherchip-Sparte, die 40 Prozent des Infineon-Umsatzes ausmacht, rechnet das Unternehmen konkret mit einem nahezu ausgeglichenen Verhältnis von Angebot und Nachfrage und eine daraus resultierende Preisstabilität.

Vorstandschef Ziebart sagte, Infineon habe bei der Restrukturierung große Fortschritte gemacht, aber in mehreren Bereichen mit nachteiligen Entwicklungen zu kämpfen. Er erwarte aber "ein verbessertes viertes Quartal".

Der von einer Schmiergeld-Affäre und dem Rücktritt des Vorstandsmitglieds Andreas von Zitzewitz gebeutelte Konzern hatte in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres einen Umsatzrückgang um drei Prozent auf 5,0 Mrd. Euro hinnehmen. Nach den Zahlen brach die Infineon-Aktie um rund 2 Prozent ein und war am Vormittag der größte Verlierer im DAX. (APA)

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