Erstmals Frau an Spitze des türkischen Verfassungsgerichts

25. Juli 2005, 21:09
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Die Juristin Tulay Tugcu fühlt sich den Atatürk'schen Prinzipien verpflichtet

Ankara - Das türkische Verfassungsgericht hat am Montag erstmals eine Frau an seine Spitze gewählt. Die Entscheidung gilt als symbolischer Schritt zu mehr Gleichberechtigung in dem moslemisch geprägten Land, das einen EU-Beitritt anstrebt.

Der Entscheidung der JuristInnen für die 1942 in Ankara geborene Tulay Tugcu ging ein längerer Wahlprozess voraus. Die Richterin tritt für eine Stärkung der Menschenrechte und der bürgerlichen Freiheiten ein. Zudem gilt sie als Verfechterin der Prinzipien von Mustafa Kemal Atatürk, der 1923 die moderne, westlich ausgerichtete, säkulare Türkei, in der Religion und Staat getrennt sind, gegründet hat. Das Verfassungsgericht ist die oberste Entscheidungsinstanz des Landes in allen Verfassungsfragen.

Die Europäische Union, die voraussichtlich im Oktober Beitrittsgespräche mit der Regierung in Ankara aufnehmen wird, forderte das Land wiederholt auf, mehr für die Gleichberechtigung der Geschlechter zu tun und die Rechte der Frauen zu schützen. Zwar werden viele angesehene Berufe inzwischen auch von Frauen bekleidet. Selbst das Amt des Ministerpräsidenten bekleidete in den 90er Jahren mit Tansu Ciller eine Frau. Allerdings sind im derzeitigen Parlament Frauen noch immer in der Minderheit. Besonders benachteiligt sind sie in ländlichen Regionen, wo viele Frauen nicht einmal lesen und schreiben können und oftmals männlicher Gewalt ausgesetzt sind. (APA/Reuters)

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