Madame la Mort wechselt die Seiten

25. Juli 2005, 19:27
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Ulrike Folkerts, bekannt als TV-Kommissarin, spielt den - weiblichen - Tod im "Jedermann"

Am Ende steht immer der Sieg des Tanatos über den Eros, stirbt die Verführung, bleibt nur der Tod dem Menschen. Dazwischen steht das Spiel: Ulrike Folkerts zieht als weiblicher Tod im Jedermann den Mann zu sich, umspinnt ihn, verführt ihn. Äußerlich bleibt die Erotik der "Madame la Mort" freilich ausgespart: Folkerts in aschgrauer Maske, kahlköpfig. Muskulös der Oberkörper, streng das Korsett, starr das Gerüst vom Reifrock, die Füße in weißen Stöckelschuhen. Mit Folkerts als Tod im Jedermann überraschte Martin Kusej das Publikum der Salzburger Festspiele.

Doch auch sie, die in der Rolle der TV-Kommissarin Lena Odenthal seit 16 Jahren gegen den Tod ankämpft, war erstaunt, als ihr der Schauspieldirektor die Rolle anbot. Im Café saß sie, als der Anruf kam. Zugesagt habe sie schnell, denn ihr Engagement sieht Folkerts als "wahnsinnige Herausforderung".

Kein Wunder, denn in ihrer Karriere als Fernsehermittlerin Lena Odenthal scheint Folkerts festgelegt und einigermaßen festgefahren. Nicht nur die Tatort-Reihe selbst steckt in der Krise - inhaltlich und seit Kurzem im Skandal um Schleichwerbung auch strukturell - den Fällen der Ludwigshafener Kommissarin fehlt es mitunter an Spannung und psychologischer Dichte.

Sie gibt die schöne, uneitle, aber doch stolze Ermittlerin, die immer und immer wieder physische Verletzungen hinnehmen muss und sich mit Vorliebe in Mordfälle verwickeln lässt, bei denen Kinder mit im Spiel sind. Nichtsdestotrotz gehört Folkerts zu den längst dienenden und vor allem auch zu den beliebtesten TV-Kommissarinnen. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung kürte sie zur "Mutter aller Tatort-Kommissare".

Folkerts studierte an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Nach dem ersten Bühnenengagement am Staatstheater Oldenburg bekam sie bereits 1988 die Polizistenrolle im Tatort nach einem Casting. Typ: unbekannt, unverbraucht, jung. Den verkörpert sie seither fast ausschließlich. Dazwischen spielte sie nur sporadisch Theater, etwa in der Rolle der Jeanne d'Arc. Für den Jedermann nahm sie Sprechunterricht.

Nicht nur jetzt als Tod, sondern damals auch als TV-Kommissarin hat Folkerts eine Männerdomäne durchbrochen. Die Frage der Geschlechter scheint ihr ein Lebensthema zu sein, gilt sie doch nach Hella von Sinnen als zweitberühmteste Lesbe Deutschlands, die sich für die Rechte Homosexueller einsetzt. Und vielleicht war das Jedermann-Engagement nur der Stein, der ins Rollen gebracht werden musste, damit wieder Bewegung entsteht: Jetzt wird sie auch Buchautorin und schreibt über ein Thema, das ihr ganz besonders zu liegen scheint: "Das macht mich stark." Vielleicht auch wieder für gute Tatort-Fälle. (DER STANDARD, Printausgabe 26.07.2005)

Von Doris Priesching
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    Spielt den "Tod" im "Jedermann": "Tatort"-Kommissarin Ulrike Folkerts
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