Ried: Erst träumen, dann stottern

29. Juli 2005, 09:20
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Ried-Trainer Hochhauser bleibt nach dem 3:0 gegen Salzburg Realist

Ried/Wien - In Ried haben sie gestern einander die Bäuche gepinselt. "So ein Tag danach", sagte Trainer Heinz Hochhauser, "hat seinen Reiz, man fühlt sich einfach gut." Schuld an diesem Gemütszustand war das 3:0 des Aufsteigers gegen das millionenschwere Red Bull Salzburg.

Hochhauser suchte nicht nach Erklärungen, da er aber danach gefragt wurde, gab er artig Auskunft. "Wirklich kompliziert ist es nicht. Der Kleine ist hochmotiviert, der Große steht unter Druck. Der eine wächst bei seinem Dorffest, der andere verkrampft, scheitert an den eigenen Erwartungen. Treffen diese Komponenten zusammen, tritt mitunter der Fall ein, dass der David den Goliath schlägt." Er selbst kenne diese Situation aus seiner Zeit bei der Austria. "Da wurde von außen und von Frank Stronach behauptet, dass man Weltklasse ist. Das war aber überhaupt nicht der Fall. Ohne Geduld geht gar nichts."

Hochhauser kann sich in die Situation seines Salzburger Kollegen Kurt Jara also hineinversetzen. "Er braucht keine Tipps. Die Austria ist der Hauptprofiteur von Salzburg, die kann nun in Ruhe arbeiten, weil sie nicht mehr im Focus des Interesses steht." Im ersten Frust kritisierte Jara die Seinen, er unterstellte ihnen Arbeitsverweigerung. "Fußball besteht aus Laufen, Kampf und Einsatz. Keiner war bereit, sich zu quälen, das war absolut zu wenig."

Und in Ried wird laut Hochhauser der Alltag wieder einkehren. Der Start sei zwar nahezu optimal verlaufen (zuvor je 0:0 gegen Tirol und Pasching), die wahre Stärke werde sich aber erst in den nächsten Wochen und Monaten zeigen. "In einem Spiel kann man den wirtschaftlichen Unterschied locker wettmachen. In der Red Zac Liga reichte es oft, nur 80 Prozent des Potenzials abzurufen. Das ist jetzt nicht der Fall. Auf Dauer gesehen ist der kleine Kader unser Problem. Habe ich einen Motor mit vier Zylindern und einer davon stottert, müsste ich ihn auswechseln, damit der Wagen rund läuft. Aber ich habe hier keinen in Reserve, also muss man irgendwann durch das Leben stottern."

Der längere Ast

Trotzdem hat man als Trainer von Ried Visionen. Die sind halt nicht besonders aufregend. Dass das schmucke Fill-Metallbau-Stadion zu klein geraten ist (7600 Plätze, interessanter Name), streitet Hochhauser ab. "Es wird schon wieder groß genug werden." Seine Visionen beschränken sich darauf, "lange in der obersten Klasse zu bleiben. Weil irgendwann besiegt das Geld den Traum." Herr Mateschitz und andere Mäzene "sitzen am längeren Ast".

Salzburg empfängt am Samstag Rapid, Ried gastiert beim ehemaligen Kooperationspartner, der Wiener Austria. Hochhauser: "Für uns ist das keine Standortbestimmung, nur eine Herausforderung. Standortbestimmungen finden eher gegen Pasching, Tirol oder Mattersburg statt." (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe 26. Juli 2005)

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