Rumsfeld auf Goodwilltour in Zentralasien

27. Juli 2005, 16:32
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US-Verteidigungsminister will Verlängerung der Truppenpräsenz erreichen

Bischkek/Moskau - Erst gute zwei Wochen ist es her, dass das zentralasiatische Kirgistan mit überwältigender Mehrheit Kurmanbek Bakijew zum neuen Präsidenten gewählt und damit den durch Massenproteste im März eingeleiteten politischen Umbruch beendet hat. Dass US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld seit Montag Kirgistan schon zum zweiten Mal binnen vier Monaten besucht, hat aber vor allem mit den Verhandlungen über eine weitere Stationierung von US-Truppen zu tun.

Die seit 2001 für Antiterror-Operationen in Afghanistan eingerichtete US-Truppenpräsenz in Kirgistan und zwei Nachbarstaaten war Anfang Juli von der "Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit" (SOZ) infrage gestellt worden. Deren Mitgliedstaaten Russland, China, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan und Usbekistan forderten die USA auf, eine Frist für den Abzug ihrer Truppen zu nennen. Das US-Repräsentantenhaus hat dies in einer Resolution als Versuch Chinas und Russlands gedeutet, Washington aus der Region zu verdrängen.

Rumsfeld will die neue Führung Kirgistans mit dem Argument gewinnen, dass sich der Akzent der Truppenpräsenz von den Afghanistanoperationen vermehrt auf den Schutz Kirgistans selbst verlagern solle. Laut russischen Zeitungsberichten wollen die USA das wirtschaftsschwache Land auch mit einem zinsenfreien Kredit von bis zu 200 Mio. Dollar gewinnen. Am heutigen Dienstag reist Rumsfeld nach Tadschikistan weiter. Dort unterhalten die USA bisher keine Militärbasis. (Eduard Steiner/DER STANDARD, Printausgabe, 26.7.2005)

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