Nachlese bei Lopatkas Spin-Meistern

25. Juli 2005, 17:45
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Die Vorteile beim Schmutzkübelkippen: Die Kräfte des Gegners werden gebunden

Es gibt eine Wortschöpfung des Sommers, auf die Schwarze derzeit äußerst allergisch reagieren: der "Wahlkampfknigge". Wie berichtet hat die steirische ÖVP Seminare für junge Mitarbeiter organisiert, in denen das Fälschen von Leserbriefen und das Kampfposten in Internetforen geübt wurde. Die Grünen haben die Chose aufgedeckt. "Alles, was ich dazu zu sagen habe, können sie in der APA-Aussendung mit der Nummer 430 vom 12. Juli nachlesen", lautet etwa die Standardantwort von ÖVP-Generalsekretär Reinhold Lopatka. "Was ich gehört habe, sind da einfach junge Mitarbeiter zusammengesessen. Sehr übereifrig", meinte er damals.

Der Leiter der Abteilung Politik in der ÖVP-Parteizentrale, Elmar Pichl, kann da schon detaillierter Auskunft geben. Im angesehenen deutschen Fachmagazin politik&kommunikation veröffentlichte er unlängst einen Aufsatz mit dem bezeichnenden Titel "Negative Campaigning. Überleben im zweitältesten Gewerbe der Welt".

Nicht nur der steirischen ÖVP hätte es nicht geschadet, diesen Text zu kennen. "Ein Stimmengewinn durch eine Negativkampagne ist im Saldo eher unwahrscheinlich", warnt Pichl etwa. Ausführlich beschäftigt er sich auch mit dem so genannten "Boomerangeffekt": der Beschädigung des eigenen Images durch Negative Campaigning.

Die Vorteile beim Schmutzkübelkippen lägen darin, dass man die Kräfte des Gegners bindet (Treffer: die steirischen Grünen und die steirische SPÖ waren tagelang mit dem Thema beschäftigt) und dass man "von einer Defensivsituation ablenken" kann (Voll daneben: seit der "Wahlkampfknigge" bekannt ist, reden erst recht alle über die Krise der steirischen ÖVP). Pichl gibt auch kluge Tipps, wie man reagiert, wenn man in die Enge gerät. Bei "unwiderlegbaren Behauptungen mittleren politischen Störpotenzials" empfiehlt er die "Entschuldigungsstrategie". Die steirische ÖVP-Chefin Waltraud Klasnic hielt sich daran: Sie bat 24 Stunden nach Bekanntwerden der Vorwürfe um Vergebung. Die durchaus selbstkritische Conclusio von Lopatkas Spin-Meister: "Sowohl die Intelligenz der Wähler als auch deren Verständnis werden nur allzu gern unterschätzt." (tó/DER STANDARD, Printausgabe, 26.7.2005)

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