Betrugsvorwürfe gegen Wiener Apotheke: Ermittlungen laufen

27. Juli 2005, 19:53
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Auch in Oberösterreich wurde ein Fall bekannt

Wien/Linz – "Mir ist vor zwei Jahren genau dasselbe passiert. Auf der Tablettenpackung war etwas weggekratzt oder weggeschnitten, darüber war ein Aufkleber der Apotheke." Bei einem STANDARD-Leser aus Oberösterreich weckte der Bericht über die Betrugsvorwürfe gegen eine Wiener Apotheke schlechte Erinnerungen. Auch im Salzkammergut soll ein Apotheker mit an sich unverkäuflichen Gratispillen gehandelt haben.

"Ich habe mich an die Gebietskrankenkasse gewandt und ihnen die Packung geschickt. Später habe ich einmal gehört, der Apotheker sei abgemahnt worden", erzählt der Patient. "Ich bin mir aber sicher, dass ich kein Einzelfall war, drei anderen ist das auch passiert. Dass die Verpackung manipuliert worden ist, fällt einem natürlich nur auf, wenn man genau hinschaut."

Fall bekannt

Bei der österreichischen Apothekenkammer ist der Fall bekannt. "Der betroffene Kollege ist abgemahnt worden", berichtet Pressesprecherin Jutta Pint. "Er hat das mit einem Irrtum oder Versehen begründet, die Packung sei ihm in die Verkaufslade gerutscht." Den Einwand, dass laut Zeugenaussage die Schachtel ja offenbar manipuliert worden sei, lässt Pint so nicht gelten. "Die Gebietskrankenkasse hat eine Patien 2. Spalte tenbefragung gemacht, die abgebrochen wurde, weil keine weiteren Beschwerden auftauchten. Es dürfte tatsächlich ein Einzelfall gewesen sein."

Ein Einzelfall, der in der Kammer offenbar nicht allzu viel Aufsehen erregt hat. Denn Präsidiumsmitglied Gottfried Bahr hatte vergangene Woche beteuert, noch nie von einem derartigen Fall gehört zu haben. Nun wird die Rechtsabteilung der Kammer aber auch den im STANDARD veröffentlichten Betrugsverdacht gegen eine Wiener Apotheke prüfen. Auch die Polizei hat zu ermitteln begonnen.

Vorwurf erhoben

Ein Informant hatte den Vorwurf erhoben, dass Ärzte regelmäßig Arzneien mit dem Aufdruck "unverkäuflich" vorbeigebracht hätten – und in der Apotheke dieser Stempel weggekratzt und überklebt worden sei, ehe die Medikamente über den Ladentisch gingen. Vier derart angeblich manipulierte Packungen legte der Informant vor.

Bei einem der betroffenen Hersteller, MSD, bestätigte man anhand der Chargennummer, dass die Schachtel nur in einem Spital verwendet werden dürfte. Auch der Stempel "Klinikware" sollte sich an jener Stelle befinden, die bei der vorliegenden Packung überklebt worden ist, bekräftigt man bei MSD, das selbst mit dem mutmaßlichen Betrug nichts zu tun hat.

In der Spitalsapotheke eines der Krankenhäuser, aus dem angeblich die Gratispillen kommen sollen, erklärt man den Buchungsvorgang der kostenlose Medikamente. "Bein uns wird die Klinikware als Nullbuchung registriert, da sie ja gratis ist. Abgegeben wird sie nur gegen Rezept an die Ärzte der einzelnen Stationen." Ob dort dann aber tatsächlich alle Tabletten in den Patientenmägen landen, sei kaum kontrollierbar. (DER STANDARD-Printausgabe, 26.07.2005)

Von Michael Möseneder
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    foto: photodisc
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