Lobeshymnen für Lance Armstrong

28. Juni 2006, 17:08
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Medien überschlagen sich: "Großer Manitour", "Marsmensch", "Super­man" - Ex-Sieger Indu­rain bleibt kühl, Großer Kreis der Nachfolger

Paris - Mit überschwänglichen Superlativen hat die internationale Presse den siebenfachen Tour-de-France-Sieger Lance Armstrong in den sportlichen Ruhestand verabschiedet. Als "Tour-König", "Marsmensch", "Superman", "Magier", "Großer Manitour" und "Gelber Kannibale" wird der US-Radfahrer bezeichnet. "Lance für die Ewigkeit", schreibt die französische Tageszeitung "Le Parisien" und die italienische "Gazzetta dello Sport" sieht den Texaner "im Klub der Unsterblichen".

Kühler reagieren frühere Mehrfach-Gewinner der Tour auf Armstrongs Seriensiege. "Man kann sagen, dass er der beste Fahrer seiner Generation war, aber man darf nicht den Fehler begehen, seine Leistungen mit einer anderen Ära zu vergleichen, die auch ihre Besonderheiten hatte", sagte Miguel Indurain. "Armstrong war der Beste in der Tour, aber das war das einzige Rennen, auf das er alle Anstrengungen konzentriert hat", meinte der Spanier, der die Tour fünf Mal und dazu zwei Mal den Giro d'Italia gewonnen hat.

Mögliche Nachfolger

Die nächste Tour wird ohne den Dominator Armstrong jedenfalls unberechenbarer, vielleicht auch spannender. Armstrong hatte zwei mögliche Nachfolger in Paris neben sich auf dem Podium. "Ivan (Basso) und Jan (Ullrich), ihr müsst das unter euch ausmachen, ich bin draußen", erklärte der 33-Jährige Radsport-"Pensionist" am Sonntag. Der Italiener und der Deutsche sind nur zwei der Anwärter, zum Spanier Alejandro Valverde, Damiano Cunego (ITA), Alexander Winokurow (KZK) und dem Ukrainer Jaroslaw Popowitsch aus dem Armstrong-Team werden sicher noch andere dazukommen.(APA/dpa/Reuters/AFP)

Frankreich:

"Le Parisien": "Lance für die Ewigkeit."

"Le Figaro": "Armstrong, Riese des Schattens und des Lichts. Happy End. Lance Armstrong hat den Planeten Tour verlassen. In Gelb."

Italien:

"La Gazzetta dello Sport": "König Armstrong. Lance ist der gelbe Kannibale. Armstrong im Club der Unsterblichen. Aber er hatte nicht den Mut, eine Träne kullern zu lassen, die ihn vor den Augen der Welt menschlicher gemacht hätte. Basso ist die Zukunft. "

"Il Tirreno": "Der Marsmensch Armstrong siegt zum siebenten Mal."

"L'Unita": "Armstrong ist zum letzten Mal der Tour-König von Paris. Der Sieger benennt seinen Erben: Basso gehört die Zukunft. Aber dann folgen Popowitsch und Ullrich."

"Corriere della Sera": "Armstrong verabschiedet sich aus seinem siebenten Himmel. Basso steht für 2006 auf der Pole Position, aber er darf nicht Ullrich imitieren."

"Il Secolo XIX": "Armstrong ist ein Magier."

Spanien:

"El Mundo": "Armstrongs Erfolg wird unvergessen bleiben. Er ist vergleichbar mit den neun Goldmedaillen eines Carl Lewis oder den sieben Wimbledonsiegen von Pete Sampras."

"As": "Nach Armstrongs Abschied erwartet uns im kommenden Jahr eine neue Tour. Alles deutet darauf hin, dass Basso der Nachfolger des Amerikaners wird."

England:

"Daily Mail": "Ist dieser rücksichtslose Verrückte mit einer Rockstar-Freundin der größte Sportler aller Zeiten? Armstrong verabschiedet sich glorreich mit solch einer zauberhaften Show, die Harry Potter eifersüchtig machen würde."

"The Sun": "Selbst Superman muss irgendwann die Füße hochlagern. Der Rock'n'Roll-König deutete an, er werde nun glücklich, in dem er an der Gitarre zupft und sich ein paar Biere gönnt, während er seine Freundin Sheryl Crow auf ihrer Tournee begleitet."

"Daily Mirror": "Der Texaner hat sich immer davon distanziert, mit Sport-Ikonen wie Pele, Mohammed Ali und Michael Schumacher verglichen zu werden. Aber nachdem er den Krebs besiegt hat und einen Erfolg erreichte, der seinen Sport veränderte, kann es keinen Zweifel daran geben, dass der Discovery-Channel-Fahrer seinen Platz unter den Allergrößten verdient hat."

"Times": "Nun ist der König also tot. Die Tour hat ihren erfolgreichsten Fahrer verloren, ihren Superstar, ihren mystischesten Charakter. Vergesst nie, dass Lance Armstrong nicht nur für Krebskranke gefahren ist, sondern auch um die Tour de France zu retten. Die Tour hatte 1998 ihren Tiefpunkt erreicht mit der Festina-Dopingaffäre. Doch dann kämpfte sich das unglaublichste Sportmärchen aller Zeiten in das Gelbe Trikot."

Schweiz:

"Neue Zürcher Zeitung": "Tour de Lance - übermenschlich? Auch Armstrongs Gegner trainieren viel, hart und nach modernen Grundsätzen - blieben aber trotzdem stets chancenlos. Die Zweifel an Armstrongs Leistungen konnten bis heute nicht ausgeräumt werden. Trotz dem Faktum, häufiger als jeder andere Spitzensportler getestet worden zu sein, wird Armstrong mit den Verdächtigungen leben müssen. Es ist das Los eines jeden erfolgreichen Sportlers."

"Tages-Anzeiger": "Selbst der kreativste Schriftsteller hätte eine Figur wie Lance Armstrong und dessen Geschichte nicht erfinden können. Armstrong ist einzigartig, mit niemandem zu vergleichen. Der Radsport wird ärmer ohne Armstrong, der nie Fehler beging, nie Pech hatte. Aber der Radsport wird, so ist zu hoffen, wieder menschlicher, unterhaltsamer, unberechenbarer, spannender, schöner."

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