"Nichts ohne Befehl von Saddam"

29. Juli 2005, 14:18
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Halbbruder und Cousin belasten Ex-Diktator - Zwei Selbstmordanschläge in Bagdad

Bagdad – Bei zwei Selbstmordanschlägen in Bagdad sind am Montag mindestens neun Menschen getötet und 22 verletzt worden. Kurz nach Tagesanbruch sprengte sich ein Attentäter in einem Kleinbus in der Innenstadt in die Luft. Wenig später kam es zu einem Selbstmordanschlag in der Nähe des streng bewachten Regierungsviertels.

Indes sagte ein Sprecher der sunnitischen Gruppe, die am vergangenen Mittwoch ihr Amt in der irakischen Verfassungskommission niedergelegt hatte, die Sunniten würden am Dienstag darüber beraten, ihren Boykott formal aufzuheben. Zuvor hatten sie bessere Sicherheitsvorkehrungen und eine internationale Aufklärung der Ermordung von drei ihrer Kollegen gefordert. Das Parlament war bereit, auf alle Forderungen einzugehen.

Bis Mitte August muss ein Verfassungsentwurf vorliegen. Die Mitarbeit der Sunniten an der Verfassung gilt als wichtig, um die Minderheit stärker zu beteiligen und die überwiegend sunnitischen Rebellen zu schwächen.

Aziz belastet Saddam

Bei der Vorbereitung des Prozesses gegen Ex-Präsident Saddam Hussein sagten Saddams Halbbruder Barsan al- Tikrit und sein Cousin Ali Hassan al-Majid, bekannt als "Chemical Ali", gegen den Ex- Diktator aus. Auch der Ex-Außenpolitiker Tarek Aziz habe Saddam belastet, sagte Untersuchungsrichter Raed Jouhi.

Al-Majid, der sich auch für den Giftgasangriff auf die kurdische Stadt Halabja mit mindestens 5000 Todesopfern ver 2. Spalte antworten muss, habe bei einer Anhörung erklärt, er habe nichts getan, "ohne einen Befehl von Saddam Hussein persönlich".

Saddam wird zunächst wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt: Wegen der brutalen Niederschlagung des Aufstandes von Schiiten und Kurden 1991 und wegen der blutigen Militäroperationen im Kurdengebiet in den 80ern. Der Richter betonte, Saddam Hussein streite mehrere Vorwürfe ab und sei nicht zu Geständnissen gezwungen worden.

Die USA haben indes zugestimmt, dass die meisten der 1700 polnischen Soldaten ab Anfang 2006 in ihre Heimat zurückkehren. (Reuters, dpa/DER STANDARD, Printausgabe, 26.7.2005)

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