Lehrstunde für den Nobelklub

29. Juli 2005, 09:20
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Red Bull Salzburg ging in Ried unter, Schopp: "Auf einem sehr langen Weg" - Jara: "Das hat mit den echten Red-Bull-Fans nichts zu tun"

Ried - Der neue T-Mobile-Bundesliga-Nobelklub Red Bull Salzburg hat am Sonntag die bisher bittersten Stunden seiner noch jungen Geschichte erlebt. Bei Aufsteiger SV Ried setzte es eine 0:3-Abfuhr und eine Lehrstunde in Sachen Kampfgeist und Moral. "Wir wissen, dass wir uns auf einem sehr langen Weg befinden. Im Moment sind wir nur Einzelspieler, von einem Kollektiv sind wir noch weit entfernt. Aber wer geglaubt hat, dass wir durch die Liga durchmarschieren, ist sowieso auf dem Holzweg", zog Salzburg-Kapitän und ÖFB-Teamspieler Markus Schopp enttäuscht Bilanz.

Ried noch ohne Gegentor

Das neue Innviertler Schmuckkästchen namens Fill-Metallbau-Stadion, das im zweiten Oberhaus-Heimspiel zum zweiten Mal ausverkauft war, und nach Abpfiff auch die Rieder Innenstadt verwandelten sich zum Wochenend-Ausklang in eine Partyzone. Gefeiert wurde die Sensation gegen die Mateschitz-Truppe sowie die Tatsache, dass man nach drei Runden das einzige Team der Liga ohne Gegentor ist (0:0,0:0,3:0).

Ried-Coach Heinz Hochhauser ging trotz aller Freude schnell zur Tagesordnung über und machte auf die dünne Personaldecke in seinen Reihen aufmerksam. "Ich konnte der Mannschaft nicht helfen, habe erst in der 90. Minute zum ersten Mal ausgewechselt. Ich habe keinen zentralen Mittelfeldspieler auf der Bank, da herrscht absoluter Handlungsbedarf. Wenn ich einen Motor mit vier Zylindern habe, einer beginnt zu stottern und ich kann ihn nicht auswechseln, dann läuft der Wagen nicht mehr so rund", fordert der 58-Jährige so rasch wie möglich Verstärkung.

"Salzburg ist noch nicht so stark"

"Geld allein spielt nicht Fußball", ließ Urgestein und Kapitän Michael Angerschmid die Salzburger wissen. "Salzburg ist noch nicht so stark, wie das von den Medien transportiert worden ist. Wir haben Herz und Leidenschaft gezeigt, das zählt", so der Torschütze zum 2:0, der seit 1982 in Ried kickt.

Der Ex-Salzburger Thomas Eder, der mit dem 3:0 für das i-Tüpfelchen sorgte, war so wie ganz Ried von der Euphorie gepackt: "Es war ein Traum, bei dieser Stimmung Fußball zu spielen." Seinen Ex-Klub hat der Mittelfeldspieler aber weiter auf der Rechnung: "In Salzburg ist etwas Großes im Entstehen, das braucht Zeit. Man darf dieses Spiel nicht überbewerten."

Jara: "Absolut zu wenig"

Salzburg-Coach Kurt Jara ortete nach der zweiten Pleite im zweiten Auswärtsspiel Anzeichen von Arbeitsverweigerung. "Fußball besteht aus Laufen, Kampf und Einsatz. Keiner von uns war bereit, sich zu quälen, das war absolut zu wenig", so der Tiroler. Spekulationen über weitere Verstärkungen wies Jara zurück: "Wir haben eine gute Mannschaft, die sich aber erst finden und bis an ihre Grenzen gehen muss. Dann ist das Ziel Top-3 realisierbar."

Zur wenig rühmlichen Einlage der eigenen Fans, die bengalische Feuer aufs Spiel warfen und weiter gegen die veränderten Klubfarben protestierten, meinte Jara: "Das hat mit den echten Red-Bull-Fans nichts zu tun." Für beide Klubs geht es am Samstag mit brisanten Aufgaben weiter: Salzburg empfängt Meister Rapid, Ried ist bei Tabellenführer Austria zu Gast.(APA)

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    Nichts zu holen für Zickler.

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