Tausende Spitalsbetten abgebaut

31. Juli 2005, 20:39
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Rauch-Kallat: Reduzierung soll weiter gehen - Mit sechs Akutbetten pro 1000 Einwohnern EU-Schnitt von 4,7 noch unerreicht

Zehn Prozent der österreichischen Spitalbetten wurden seit 1996 abgebaut. 5104 ersatzlos gestrichenen Akutbetten stehen 2600 neue Betten in bisher unterversorgten Bereichen gegenüber. Insgesamt gibt es aber noch immer zu viele Spitalbetten. Der Abbau geht weiter.

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Wien – Eine Million Spitalstage und 5104 Spitalbetten weniger in acht Jahren: Diese Bilanz einer fast ein Jahrzehnt dauernden Abspeckkur, die dem österreichischen Gesundheitswesen auferlegt wurde, präsentierte Gesundheitsministerin Maria Rauch- Kallat (VP) am Montag. Mit Ende 2004 gab es demnach in den 139 landesfondsfinanzierten Spitälern (öffentliche und private gemeinnützige Krankenhäuser, die aus den neun Landesfonds finanziert werden, ohne Unfallspitäler) 48.662 Akutbetten. 1996 waren es noch 53.766. (Grafik)

Dabei sollte das Diätziel eigentlich erst Ende 2005 erreicht werden, doch man "hat die beiden kritischen Faktoren – Betten und Belagstage – schneller als erwartet reduziert", sagte Rauch-Kallat.

Mit der Bettenreduktion ist auch die Zahl der Belagstage (Tage, an denen die Betten mit Patienten belegt waren) seit 1996 (15,2 Millionen Tage) um eine Million gesunken. Die Belagsdauer (Aufenthaltsdauer im Spital) konnte von 7,07 Tagen im Jahr 1996 bis 2004 auf 5,85 Tage gesenkt werden.

Es wurden übrigens auch 2600 neue Betten in den bisher teils unterversorgten Bereichen Neurologie, Orthopädie und Intensivmedizin geschaffen. Unterm Strich bezifferte Ministerin Rauch-Kallat den erreichten "Kostendämpfungseffekt" pro Jahr mit 300 Millionen Euro.

Mehr als im EU-Schnitt

Mit sechs Akutbetten pro 1000 Einwohner ist Österreich aber noch immer weit vom EU-Schnitt mit 4,7 Betten pro 1000 Bürger entfernt. Dieser müsse nicht notwendigerweise die Messlatte für Österreich sein, meinte Rauch-Kallat.

Sie will zwar weiter Betten in den Krankenhäusern abbauen, die Zahlen sollen aber im kommenden "Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG) mit den Ländern erarbeitet werden. Konkreter wollte die Ministerin noch nicht werden: "Das wird dann in den einzelnen Bundesländern zu verhandlen und zu bestimmen sein."

Michaela Moritz, Direktorin des Österreichischen Instituts für Gesundheitswesen (ÖBIG), das für die Evaluation des Bettenabbaus alle landesfondsfinanzierten Spitäler analysiert hat, zeigte sich sehr zufrieden: "Die Strukturqualitätskriterien werden in hohem Maße quantitativ und qualitativ eingehalten. Wenn es Schwierigkeiten gibt, dann vor allem an den Schnittstellen zwischen stationärem und ambulantem oder pflegerischem Bereich. Aber die integrierte Sicht greift. Wir sind am richtigen Weg."

Weiterer Bettenabbau sei nötig, Spitalschließungen werde sie der Politik nicht raten. Allerdings, so Moritz, sei "das Bett" nicht die zentrale Kategorie bei Reformen: "Das Bett hat so eine Art Mystik." Sachlich unbegründet, meinte die Gesundheitsexpertin. Es werde zwar weiterhin als Richtwert eine "Bettenmessgröße" für die Länder geben, aber die wirklich relevante Größe seien in Zukunft Leistungsstandards, die erbracht werden müssen. Neue Operationstechniken, die kürzere oder gar keine stationären Aufenthalte erforderten, zeigten vor allem die Notwendigkeit, dass es "im tagesklinischen Bereich noch viel Nachholbedarf gibt", so Moritz. (DER STANDARD, Printausgabe, 26.7.2005)

von Lisa Nimmervoll
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    Für die Gesundheitsministerin Rauch-Kallat gibt es noch immer zu viele Spitalsbetten in Österreich.

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