Gewerkschaften verlassen Dachverband AFL-CIO

29. Juli 2005, 13:36
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Wegen Streit um Strategie gegen Mitgliederschwund - Größte Spaltung in amerikanischer Arbeitnehmervertretung seit 1938

Chicago - Mit dem Austritt von zwei Einzelgewerkschaften hat sich am Montag die größte Spaltung in der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung seit 1938 angebahnt. Die Gewerkschaften Teamsters und Service Employees International Union (SEIU) erklärten in Chicago ihren Austritt aus dem Dachverband AFL-CIO, weil dieser keine Erfolge gegen Mitgliederschwund erzielt habe. AFL-CIO-Präsident John Sweeney nannte den Austritt eine "schwere Beleidigung" der arbeitenden Menschen.

Der Präsident der Transportarbeitergewerkschaft Teamsters, James Hoffa, warf dem Dachverband in einer vorbereiteten Erklärung vor, nichts für die Anwerbung neuer Mitglieder erreicht zu haben. Dies sei aber Voraussetzung dafür, "das politische Klima zu ändern, das die Arbeitnehmerrechte in diesem Land untergräbt".

Veränderungen

SEIU-Präsident Andrew Stern sagte: "Unsere Welt hat sich verändert, unsere Wirtschaft hat sich verändert, Arbeitgeber haben sich verändert. Aber die AFL-CIO ist nicht bereit, ebenfalls grundlegende Veränderungen vorzunehmen."

Vier Gewerkschaften - die Teamsters, SEIU, United Food and Commercial Workers sowie Unite Here - boykottierten am Montag den Kongress des Dachverbands. Sie repräsentieren nahezu ein Drittel der 13 Millionen im Dachverband organisierten Arbeitnehmer. "Unsere Differenzen sind unüberbrückbar geworden", sagte Anna Burger, die Vorsitzende des aus den vier abtrünnigen Gewerkschaften gebildeten Bündnisses Change to Win Coalition, bereits am Sonntag.

Dem Gewerkschaftsdachverband AFL-CIO gehören mehr als 50 Einzelgewerkschaften an. Der Austritt ist die größte Krise der US-Gewerkschaftsbewegung, seit sich CIO 1938 vom Dachverband AFL abspaltete. Die Organisationen schlossen sich erst Mitte der 50er Jahre wieder zusammen. Damals war jeder dritte Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft in den USA gewerkschaftlich organisiert. Heute sind es weniger als acht Prozent. (APA/AP)

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