NASA trotz Widrigkeiten zum Start entschlossen

26. Juli 2005, 11:26
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Schlechtwetterfront einerseits, "unerklärliche Anomalie" andererseits - Sicherheitsregeln könnten ausnahmsweise gesenkt werden

Cape Canaveral/Washington - Ein Sensorendefekt am Außentank und eine heraufziehende Schlechtwetterfront bleiben die größten Risiken für den am Dienstag geplanten Start der US-Raumfähre "Discovery". Ansonsten verliefen die Startvorbereitungen planmäßig, sagte der Testdirektor der NASA am Montag auf dem Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida.

Zuvor hatte NASA-Direktor Michael Griffin am Sonntag angedeutet, dass unter stark eingegrenzten Bedingungen eine Ausnahmeregelung für den Start mit einem fehlerhaften Sensor am Außentank erwirkt werden könnte. Das sei kein Sicherheitsrisiko für den Flug, sagte Griffin.

Zeitplan

Zweieinhalb Jahre nach der "Columbia"-Tragödie soll die "Discovery" am Dienstag um 10.39 Uhr Ortszeit (16.39 Uhr MESZ) zu einem zwölftägigen Flug zur Internationalen Raumstation ISS aufbrechen. Das ist die gleiche Startzeit wie die der Jahre später verunglückten "Columbia" am 16. Jänner 1993.

Nach Beginn des Countdowns am Samstagmittag haben die führenden NASA-Manager am Sonntag (Ortszeit) noch einmal grünes Licht für den Start gegeben. Sorgen bereiten weiterhin die vier Sensoren am Außentank sowie eine Schlechtwetterfront mit Seewind, dicken Wolken und Regen. Die Startwahrscheinlichkeit liege weiter bei 60 Prozent, sagte NASA-Meteorologin Kathy Winters am Montag in Cape Canaveral.

"Unerklärliche Anomalie"

Nachdem wegen eines falsch anzeigenden Sensors am Außentank die Startvorbereitungen am 13. Juli abgebrochen worden waren, haben NASA-Techniker mehr als 300 mögliche Fehlerquellen beseitigt. Die vier Sensoren am Boden des Außentanks senden Signale zum Abschalten der drei Raketentriebwerke, wenn der Wasserstoffvorrat zur Neige geht. Damit soll eine Explosion verhindert werden. Bei den Startvorbereitungen am 13. Juli zeigte Sensor 2 den Füllstand falsch an.

Die NASA-Techniker haben die "unerklärliche Anomalie" inzwischen auf zwei mögliche Problemfälle eingegrenzt. Sollten wieder der betreffende Sensor 2 oder aber der Sensor 4 falsch anzeigen, will die NASA mit einer Ausnahmegenehmigung starten. Das Problem deutet dann auf einen Fehler im Sensor 2 oder aber auf Interferenzen durch Kabel bei Sensor 4 hin. "Sollte irgendetwas anderes geschehen, stoppen wir", sagte Wayne Hale vom NASA-Space-Shuttle-Programm. Endgültige Klarheit wird erst nach dem Betanken des 50 Meter hohen Außentanks am Dienstagmorgen herrschen.

Rückkehr zu alten Standards

Seit dem Unglück der Raumfähre "Challenger" im Jahr 1986 sah die NASA drei funktionierende Sensoren als ausreichend an. Zuvor waren es sogar nur zwei gewesen. Nach der "Columbia"-Tragödie vom 1. Februar 2003 wurden die Sicherheitsvorschriften verschärft und vier funktionstüchtige Sensoren als Regelung eingeführt. "Ich glaube, wir kämpfen ein bisschen mit den Geistern der 'Columbia'", sagte Hale.(APA/dpa)

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