Keine "heiße Spur" nach Anschlägen

26. Juli 2005, 16:29
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Polizei prüft Verbindung zu den Anschlägen von Taba vom Oktober 2004 - Demonstration gegen Terrorismus in Sharm el-Sheikh - Weitere Österreicher kehren heim

Sharm el-Sheikh - Mehr als zwei Tage nach den Terroranschlägen im ägyptischen Badeort Sharm el-Sheikh ist der Polizei noch kein Fahndungserfolg gelungen. Der Gouverneur der südlichen Sinai-Halbinsel Mustafa Afifi sagte nach einem Bericht der "New York Times" in einem Interview, die Ermittlungen befänden sich noch in einem frühen Stadium. Es sei unklar, wer hinter den Attentaten stecke.

Bisher nahm die ägyptische Polizei etwa 90 Verdächtige fest. Nach Krankenhausangaben kamen bei den Detonationen auf der Sinai-Halbinsel in der Nacht auf Samstag mindestens 88 Menschen ums Leben, die meisten von ihnen Ägypter. Außerdem wurden ein Italiener, ein Tscheche und zwei Türken getötet. Etwa 30 Tote waren am Sonntag noch nicht identifiziert. Es werden noch 14 Menschen vermisst. Das Wiener Außenamt hatte weiter keine Informationen, dass sich Österreicher unter den Toten oder Verletzten befinden.

Verbindung zu den Anschlägen von Taba?

Die Polizei verstärkte ihre Straßensperren um den Badeort und prüfte eine mögliche Verbindung zu den Drahtziehern der Anschläge auf der Sinai-Halbinsel im vergangenen Oktober, bei denen 34 Menschen ums Leben kamen. Möglicherweise habe Mohamed Ahmed Saleh Fulayfel am Samstag das Auto gefahren, das vor dem Ghasala Gardens Hotel explodiert sei. Der Mann soll bei den Vorbereitungen der Anschläge im Oktober beteiligt gewesen sein.

Am Sonntag räumten Arbeiter an den Anschlagorten Schutt und Scherben weg. Auf dem "Alten Markt", einem Einkaufszentrum für Touristen, klaffte ein etwa ein Meter tiefer Bombenkrater. Das teilweise eingestürzte Hotel Ghazala Gardens schirmten die Behörden mit einer Sichtsperre aus Planen ab. Davor stellten Touristen am Abend Kerzen auf.

Weitere Österreicher kehren heim

In der Nacht auf Montag hob eine zweite AUA-Sondermaschine mit 42 rückkehrwilligen österreichischen Touristen in Sharm el-Sheikh ab. Die Touristen gaben als Grund an, dass sie sich in Ägypten nicht mehr sicher fühlten. Mit an Bord war auch ein Team des Roten Kreuzes, das in den vergangenen 24 Stunden die traumatisierten Österreicher nach den Anschlägen betreut hatte. Sonntagfrüh waren die ersten Österreicher nach den Anschlägen in Wien eingetroffen. Beim Charterflug aus Wien nach Sharm el-Sheikh am Sonntag blieben 144 der 184 gebuchten Plätze leer.

Bei der bisher verheerendsten Serie von Terroranschlägen in Ägypten waren am Samstag kurz nach 1.00 Uhr Ortszeit in Sharm el-Sheikh fast zeitgleich drei Bomben explodiert. Die erste Explosion ereignete sich auf dem belebten Markt, wo eine Autobombe eine gewaltige Explosion auslöste. Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler war das mit Sprengstoff beladene Fahrzeug auf dem Platz abgestellt worden. Viele der Opfer waren ägyptische Arbeiter, die in einem Café zusammensaßen.

Wenig später raste ein Selbstmordattentäter mit einem Wagen in die Eingangshalle des Hotels Ghazala Gardens. Der dritte, kleinere Sprengsatz, der sich in einem Paket oder einer Tasche befand, detonierte auf einem Parkplatz in der Nähe des Hard Rock Cafés. Insgesamt sollen die Attentäter 500 Kilogramm Sprengstoff verwendet haben.

Im Internet wurden mehrere Bekennerschreiben veröffentlicht, die jedoch keine gesicherten Schlüsse auf eine Verbindung zu den Tätern zulassen. Nach den Worten des ägyptischen Innenministers Habib al-Adli ist es noch zu früh zu sagen, ob die Terrororganisation Al Kaida oder eine andere radikale Moslemgruppe hinter den jüngsten Anschlägen stehen.

Mehrere hundert Hotel-Angestellte und Touristen demonstrierten am Sonntagabend in Sharm el-Sheikh gegen den Terrorismus. "Terroristen sind die Feinde Gottes", skandierten sie. "Wir wollen der Welt zeigen, dass Muslime keine Terroristen sind", sagte der 28 Jahre alte Mustafa Eltary, dessen Bruder Hassan als Gärtner im Ghazala-Hotel gearbeitete hatte und bei dem Anschlag ums Leben gekommen war. (APA/dpa/Reuters)

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    Demo gegen den Terror: "Terroristen sind die Feinde Gottes"

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