Terror: Gelassenheit und Sonderflüge

31. Juli 2005, 21:17
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In ganz Europa bringen Sonderflüge Urlauber aus Ägypten zurück - Die Menschen reagieren mittlerweile jedoch gelassener auf den Terror

186 Plätze waren in der Chartermaschine gebucht. 146 davon blieben leer, als der Flieger Sonntags gegen 6 Uhr Morgen von Wien Richtung Sharm el-Sheikh abhob. Voll war dagegen der Jet, der kurz zuvor aus dem Süden kommend aufsetzte: 151 österreichische Urlauber nutzen nach den Bombenanschlägen die Möglichkeit, mit einer AUA-Sondermaschine aus Ägypten auszufliegen.

Das Bild war in ganz Europa ähnlich: Deutsche, Italiener und Briten wurden mit eilig organisierten Sonderflügen zurückgeholt. Von Panik oder Hysterie wollen die Reiseveranstalter allerdings nicht sprechen. Im Vergleich zu früheren Anschlägen reagieren die Urlauber fiel gelassener, wird betont.

"Eine Woche länger"

"Nach meinem Wissensstand waren rund 1500 Österreicher unten, von denen sind 150 zurückgekommen", rechnet Andreas Zenker vom österreichischen Verkehrsbüro vor. "Ich habe aber auch schon einen Anruf gehabt von einem Kunden in Sharm el-Sheikh, der ursprünglich nur zwei Wochen buchen konnte, weil die Hotels so voll waren und jetzt eine Woche länger bleibt."

"Die Leute werden zusehends ruhiger und gelassener", glaubt Zenker. Allerdings werde sich erst am Montag wirklich zeigen, wie viele Menschen ihren Ägyptenurlaub stornieren oder umbuchen wollen. "Ägypten wird sicher einige Prozent Marktanteil verlieren, allerdings wird es nicht so sein wie früher, dass das Land als Destination ein oder zwei Saisonen völlig tot ist", ist er überzeugt.

Suche nach Sicherheit

Der Terror hat eindeutige Auswirkungen auf das Urlaubsverhalten der Österreicher, glaubt dagegen Egon Smeral, Tourismusexperte des Wirtschaftsforschungsinstitutes (WIFO). Halten die Terroranschläge in der derzeitigen Intensität an, gibt es vor allem zwei deutliche Trends zu verzeichnen: Ein stark erhöhtes Sicherheitsbedürfnis sowie die steigende Nachfrage nach Inlandsdestinationen beziehungsweise nach bereits bekannten und bewährten Reisezielen.

Für Daniela Schachner, Pressesprecherin der Veranstalter TUI, Gulet und 1-2-Fly ist dieser Trend derzeit noch nicht so eindeutig. "Nach den Anschlägen in der Türkei hat es bei jenen Kunden, die schon gebucht hatten, praktisch keine Stornos gegeben." Allerdings: bei den Neubuchungen war ein Rückgang zu verzeichnen. "Aber nicht in dem Ausmaß wie bei früheren Attentatserien."

Auf Tourismus angewiesen

Für die betroffenen Länder ist allerdings jeder ausbleibende Tourist kritisch. Über 20 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und der Deviseneinnahmen Ägyptens stammen aus dem Fremdenverkehr. Im Vorjahr und in den ersten Monaten des heurigen Jahres wuchs der Markt, teils mit zweistelligen Wachstumsraten. Über viereinhalb Milliarden US-Dollar nahm Ägypten im Jahr 2003 ein, zeigen die jüngsten verfügbaren Zahlen der Welttourismusorganisation.

Steigerungsraten, mit denen es nun vorbei sein dürfte. Sie hätten sich "einfach nicht mehr sicher gefühlt", schilderten die heimkehrenden Österreicher, obwohl sie in ihren Ferienanlagen teilweise gar nichts von den Anschlägen mitbekommen haben. Und auch keine Landsleute betroffen waren. Bis Sonntagnachmittag lagen dem Außenministerium, das drei Mitarbeiter in Sharm el-Sheikh einsetzt, keine Meldungen über verletzte oder getötete Österreicher vor. (moe, DER STANDARD Printausgabe, 25.07.2005)

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