Lambach steht zu den "braunen Flecken"

26. Juli 2005, 09:03
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Malerin als Nazi-Denunziantin entlarvt, doch kaum jemand stößt sich an ihrer Ehrung

Lambach - "Die gute Pausinger hat doch nie jemandem etwas getan. Na und, dann war sie halt bei der NSDAP - da haben wir schon Bürgermeister und Schuldirektoren gehabt, die auch dabei waren und niemand hat sich daran gestört", stellt der ältere Herr entschieden klar und zieht strammen Schrittes davon. Die kleine Gemeinde Lambach in Oberösterreich steht hörbar zu ihren Kommunalhelden, auch wenn in deren Vergangenheit eindeutig "braune Flecken" auszumachen sind.

Seit Wochen sorgt eine Diskussion um eine zweifelhafte Ehrenbürgerschaft mit eigenem Straßennamen zumindest außerhalb Lambachs für Aufregung. Die lokale Malergröße Margarete von Pausinger (1880 bis 1956) war aktives NSDAP-Mitglied und hatte im Dezember 1939 den Regimekritiker Friedrich Wingen denunziert. Wingen starb 1944 in einem KZ in Polen. Eine Aberkennung der Kommunalehren und eine Änderung des Straßennamens verweigerte der Gemeinderat im Juli.

Ganze fünf schmucke Einfamilienhäuser zieren die Margarethe-von-Pausinger-Straße. Gärten mit akribisch angelegten Blumenbeeten, Kolonien von Gartenzwergen, kurz getrimmter Rasen - ansonsten gespenstische Stille. Nur der Duft von frischem Grillgut verrät jene, die sich beim Erblicken des Presse-Schildes hinter der Windschutzscheibe rasch in Sicherheit gebracht haben. Doch die Neugierde siegt und man zeigt sich doch gesprächsbereit.

"Schon lange aus"

"Warum sollte man jetzt noch was umbenennen? Das mit den Nazis ist doch schon so lange aus", hält eine Dame an ihrer Straße fest. Es sei schon klar, dass "der Hitler viel Blödsinn gemacht hat" - doch sie relativiert dies mit Hinweisen auf die aktuelle israelische Politik.

An nächsten Gartenzaun klärt eine junge Mutter auf: "Das ist eine Frage der Sichtweise. Ich sag meinen Kindern immer, wenn wir bei unserem Straßenschild vorbeigehen, dass die Frau Pausinger auch was Schlimmes gemacht hat." Mit der Erfahrung, dass in Lambach Mahnmale anders aussehen, endet nach rund zwei Stunden die Suche nach einer kritischen Stimme zum Fall Pausinger fast erfolglos. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD Printausgabe, 25.07.2005)

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    foto: standard/rohrhofer
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