Starkes Beben erschüttert Tokio

26. Juli 2005, 09:12
posten

Die stärksten Erdstöße seit dreizehn Jahren in Japan

„Man gewöhnt sich an Erdbeben, wenn man in Tokio wohnt, aber bei diesem hatte ich schon Angst“, bemerkte Eva, eine Österreicherin, die seit zwei Jahren bei einer Fluglinie in Tokio arbeitet.

Die Erdstöße erschütterten die Region Tokio am Samstag um 16.30 Uhr. Die Wellen kamen nicht gleichmäßig ansteigend, um dann langsam abzuebben. Vielmehr war die Welle von unregelmäßigen und auf dem Höhepunkt sehr kräftigen Vibrationen begleitet. Das Zentrum des Bebens lag nahe der Hauptstadt.

Seismologen bewerteten das Beben, bei dem es 20 Leichtverletzte gab, am Sonntag mit Stärke 6 auf der Richter- Skala – das schwerste seit 13 Jahren. Es gab keine größeren Schäden, es wurde keine Tsunami-Warnung ausgegeben. Jedoch zeigte sich, wie verwundbar der Großraum Tokio ist. Zum Teil stoppten die bis zu 300 Stundenkilometer schnellen Shinkansen-Züge durch einen automatischen Mechanismus. Die Linien der Japan Railways fuhren über Stunden nicht, was im abendlichen Pendlerverkehr ein veritables Chaos verursachte. Aufzüge waren über Stunden außer Betrieb. Menschen drängten sich bei den Ticketschaltern: Die Verkehrsbetriebe erstatten das Geld zurück, wenn sie die Fahrt nicht gewährleisten können.

Seit Jahren wird in Japan vor dem großen Beben gewarnt. Experten rechnen vor, dass bis zu 27.000 Menschen dabei sterben könnten, der Schaden für die Wirtschaft würde enorm sein. Andere Experten meinen dagegen, solange es in Japan immer wieder kleinere Beben gebe, würde sich die Spannung in der Erde regelmäßig entladen, was das Risiko minimiere. 1923 ereignete sich in der Region Tokio/Yokohama das große „Kanto-Erdbeben“, bei dem 145.000 Menschen starben. (DER STANDARD Printausgabe, 25.07.2005)

Andrea Waldbrunner aus Tokio
Share if you care.