Die Lüge vom Sieg - von dag

24. Juli 2005, 20:15
128 Postings

Die Reaktionen auf die Anschläge sind immer gleich: Man wird sich "dem Terror nicht beugen"

Die politischen Reaktionen waren (London) und sind (Sharm el-Sheikh) immer gleich. Von Blair und Mubarak bis Schüssel wird man sich "dem Terror nicht beugen". Man wird ihn vielmehr bekämpfen.

Etwas drastischer diesmal - Italiens Senatspräsident Marcello Pera: "Dem Westen wurde der Krieg erklärt. Er wird von langer Dauer sein. Aber wir werden sicher siegen." Zynisch übersetzt ins Radikalislamistische: "Wie wäre es einmal mit Rom oder Mailand?"

Zweckoptimismus ist eine politische Disziplin. Staatschefs haben die Aufgabe, Mut zu machen. Es gibt da auch ein paar Begriffe, an die sie sich klammern können: Sicherheit erhöhen. Strenger überwachen. Früher erkennen. Rigoroser einschreiten. (Im Zweifel gegen den Verdächtigen, am besten fünfmal in den Kopf.)

Die Wahrheit ist politisch unaussprechbar: Dieser Terror ist nicht (mehr) zu verhindern, nicht durch Truppenzu- oder -abzüge, nicht durch Härte, nicht durch Diplomatie. Gegen Selbstmordattentäter gibt es kein Mittel. Es sind nicht 1000 Fanatiker, die man schnappen müsste, damit der westliche Frieden wieder hergestellt wäre. Es sind verborgen wuchernde Zellen. Jeder Anschlag bewirkt neue Wachstumsschübe. (DER STANDARD, Printausgabe, 25.07.2005)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.