
Angela Merkel mit Ehemann Joachim Sauer
"Meine Person steht in keinem Verhältnis zur politischen Arbeit von Angela Merkel. Deshalb bin ich auch für die Öffentlichkeit nicht interessant", sagte der 55-Jährige einmal über sich und lieferte damit die Untertreibung des Jahres. Wird Merkel Kanzlerin, richten sich die Blicke natürlich auch auf ihren Mann, den "First Husband" oder "First Gentleman".
Bisher war seine Welt die der Quantenchemie, wo er als absoluter Experte gilt. Der Sohn eines sächsischen Konditormeisters machte mit 25 Jahren seinen Doktor und war schon neun Jahre später Professor. 1991 arbeitete er als Direktor einer Technologiefirma im amerikanischen San Diego. 1993 bekam er den Lehrstuhl für physikalische und theoretische Chemie an der Berliner Humboldt-Universität.
Merkel und Sauer haben einander 1984 an der Ostberliner Akademie für Wissenschaften kennen gelernt, wo er ihre Doktorarbeit betreute. Im Nachwort dankte sie ihm für seine "kritische Durchsicht". Damals wurde er von der Stasi bespitzelt, weil er das DDR-Regime kritisiert hatte. Als die zwei 1998 heirateten, waren weder Familie noch Trauzeugen, geschweige denn Kameras, dabei. Für beide ist es die zweite Ehe, und in Berlin witzelt man, dass Merkel sogar am Standesamt strategisch vorging: Sie behielt den Namen ihres ersten Mannes, des Physikers Ulrich Merkel, und nannte sich aus Imagegründen nicht Frau Sauer.
"Er ist mein Zugang zum normalen Leben", sagt Merkel über den scheuen Professor. Sie möge "seine Ruhe und Ausgeglichenheit, und dass er dabei trotzdem ein fröhlicher Mensch ist". Das Wochenende verbringen sie oft im Ferienhaus im brandenburgischen Templin, nördlich von Berlin. Zu Sauers Söhnen aus erster Ehe soll Merkel eine sehr enge Beziehung haben.
Dass Sauer für eine Kanzlerin Merkel seine eigene Karriere aufgibt, gilt als ausgeschlossen. Unvorstellbar ist auch, dass er seiner Frau die Handtasche nachträgt, wie es einst Dennis Thatcher für die britische Premierministerin getan hat. Doch unterschätzen sollte man ihn auch nicht. Merkel selbst sagt: "Es heißt oft, dass mein Mann als politischer Berater keine Rolle spiele. Diese Einschätzung entspricht überhaupt nicht den Tatsachen." (DER STANDARD, Printausgabe, 25.7.2005)
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Seit etlichen Jahren ist in D das Eheschließungsrecht geändert. Man braucht kein Aufgebot und keine Trauzeugen mehr (schlecht für Texifahrer, Obdachlose etc.), darf aber welche haben und diese dann auch unterschreiben lassen. Insofern kann Frau Merkel mit Herrn Sauer ganz allein auf dem Amt gewesen sein.
insofern ist Eva Köhler weiterhin unbestrittene deutsche First Lady und keine Notwendigkeit gegeben, über einen First Husband zu spekulieren. Vgl. aber Wikipedia, First Lady:
In Deutschland ist der Bundespräsident das Staatsoberhaupt, damit ist die Bezeichnung First Lady nur für dessen jeweilige Gattin korrekt. Wegen der starken Bedeutung des Bundeskanzlers für die Politik wird die Bezeichnung gelegentlich auch auf die Gattinnen des Bundeskanzlers angewendet
Nachdem wir ja noch immer in Österreich und nicht in den USA leben, sollten wir doch noch immer "Frau des Bundespräsidenten", "Mann der Bundespräsidentin", "Mann der Bundeskanzlerin", "Frau des Bundeskanzlers" bleiben. Die "First Lady" soll dort bleiben, wo sie hingehört, nämlich jenseits des großen Teichs.
eines semioffiziellen und tendenziell poetischen, durch eine kreative englische Dame geprägten Sondertitels für eine Person ohne jedes eigene politische Amt empfinde ich als liebenswerte zeremonielle Tradition, die in jene Epoche zurückführt, als eine Republik noch ein diplomatisches Novum und Skandalon war. Da gefällt mir First Lady schon besser als so hölzerne und prosaische Umschreibungen, die den glamourösen und auch prekären Zwischenstatus einer solchen Ersatzkaisersgemahlin im Protokoll nicht recht zu erfassen scheinen. Aber ich wäre durchaus bereit, mir über sinnvolle Alternativen Gedanken zu machen, da der Anglizismus wirklich auch störend wirken mag - und sei es eine triviale Lehnübersetzung "Erste Dame" o.ä.
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