"Die Immobilienblase ist ein Blödsinn"

31. Juli 2005, 17:29
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Keine Gefahr für eine Überhitzung des Immobilienmarktes durch den Kapitalhunger von Österreichs Immo-Gesellschaften - Chef der Immofinanz, Karl Petrikovics im STANDARD-Interview

STANDARD: Die Immofinanz hat sich heuer 580 Mio. Euro von der Börse geholt, ihre 51-Prozent-Tochter Immoeast 1,13 Milliarden. Sie müssen mit dem Geld nun einkaufen, ist solches rasantes Wachstum noch gesund?

Petrikovics: Vom Publikum haben wir 1,2 Mrd. Euro aufgebracht, weil von der Immo- east-Kapitalerhöhung 51 Prozent zur Immofinanz gehen. Unser Wachstum ist bei Weitem noch nicht an seine Grenzen gestoßen. Wir haben rund vier Milliarden Euro an Immobilienvermögen, unsere internationalen Kollegen in Kontinentaleuropa je acht bis zehn Mrd. Euro.

STANDARD: Die größte Immobiliengesellschaft Österreichs ist im Vergleich ein Immo-Zwerg?

Petrikovics: Nein, wir sind in Kontinentaleuropa die Nummer fünf. Die Immofinanz ist in Österreich, Deutschland, Italien und der Schweiz aktiv, die Immoeast in Ungarn, Tschechien, Polen, Slowakei. Als nächstes kommen die Märkte Russland, Ukraine, Slowenien, Kroatien, Serbien.

STANDARD: Ihre internationalen Konkurrenten sind aber schon länger dort unterwegs. Petrikovics: Wir Österreicher sind im Osten, dem Gebiet der ehemaligen K.-u.-k.-Monarchie, besser dran als Manager, die aus London oder Hamburg einjetten. Nehmen Sie nur meinen Namen: Petrikovics ist kroatisch, meine Familie war im Lauf der Generationen überall in der Monarchie zu finden. Wir Österreicher haben die dortige Mentalität über Jahrhunderte kennen gelernt, wir haben im Osten eine historische Chance.

STANDARD: Um konkret wie groß zu werden?

Petrikovics: Das hängt von den Projekten ab, und davon, ob uns unsere Aktionäre weiterhin Geld geben. Ohne Kapitalerhöhungen gibt es das Wachstum aus dem Cashflow heraus. In unserem Geschäft ist Größe ein enormer Vorteil. Es gibt sozusagen den Spielplatz für die Großen und die Sandkiste für die Kleinen, aus der man sich, wie im Kindergarten, hinausarbeiten muss. Uns als Großen werden Transaktionen angeboten, bei denen andere einfach nicht mittun können.

STANDARD: Insgesamt haben die österreichischen Immo-Gesellschaften heuer fast drei Mrd. Euro von den Anlegern abgeholt. Manche fürchten eine Überhitzung - keine Angst vor einer Blase?

Petrikovics: Die berühmte Immobilienblase? Die ist ein ganz besonderer Blödsinn. Eine Überhitzung in speziellen Bereichen möchte ich nicht ausschließen, aber das ist es auch schon. Die Marktkapitalisierung österreichischer Immo-Gesellschaften liegt bei fünf Mrd. Euro; in Relation zum deutschen Markt ist das sehr wenig. Österreichs Anleger holen in dem Segment einfach auf; es gibt jetzt auch das Angebot dafür.

STANDARD: Sie sind auch in den USA aktiv. Am New Yorker Orion-Tower beim Times Square sind Sie mit zehn Prozent beteiligt, ein Quadratmeter Wohnung kostet dort 10.000 Dollar. Sind die USA ausbaufähig?

Petrikovics: Die USA gehören zu unserer Diversifikationspolitik. Aber über fünf Prozent des Eigenkapitals wird das nie hinausgehen, derzeit sind es 4,5. Der Tower ist ein sensationelles Investment, da wurden seit März 470 von 550 Wohnungen verkauft. Für die Lage sind 7000 Euro pro Quadratmeter nicht so viel, im Zentrum Wiens kostet es mitunter an die 8000 Euro. Im Spitzensegment gibt es immer Nachfrage.

STANDARD: Die Immofinanz hat die erste "CMBS-Anleihe" Österreichs begeben. Sie ist mit Immobilien wie dem Wiener City Tower besichert und mit Triple A geratet, wie eine Bundesanleihe. Kommt noch eine?

Petrikovics: Ja, wir werden im im nächsten Frühjahr wieder 250 Mio. Euro platzieren und bauen bereits das Immobilien-Portfolio dafür auf. Wir zahlen auf zehn Jahre fix 3,62 Prozent Zinsen, damit sind wir sensationell finanziert.

STANDARD: Wie schätzen Sie die Marktentwicklung ein?

Petrikovics: Bei Büroflächen in Wien beginnt die Nachfrage nach Großflächen anzuziehen. Und auch beim Wohnungsmarkt bin ich sehr optimistisch.

STANDARD: Welches ist Ihre persönliche Lieblingsimmobilie?

Petrikovics: Ich habe keine, für mich sind Immobilien Investments. Ich werde mich nie in ein Haus verlieben, bestenfalls in die Rendite eines Hauses. Unsere Aufgabe ist nicht, Denkmäler zu bauen, sondern maximale Erträge für unsere Aktionäre zu erwirtschaften.

STANDARD: Auch kein Faible für schöne Architektur?

Petrikovics: Schöne Architektur ist ein wesentlicher Faktor für die Verwertung. Ich bin übrigens Fan unserer Twin-Tower am Wienerberg: die schönsten Türme, die es gibt.

STANDARD: Wie wohnen Sie?

Petrikovics: In einem Haus in Hietzing. Ich habe aber auch zu meiner privaten Immobilie keinen besonderen Bezug, wenn es eine gute Gelegenheit gäbe, würde ich sie verkaufen. Man muss Immobilieninvestments emotionslos angehen.

STANDARD: Ihr Konkurrent Günter Kerbler von Conwert sagt, dass er viele Kaufentscheidungen aus dem Bauch trifft.

Petrikovics: Ja, aber zumindest unbewusst hat er das Investment davor längst durchgerechnet. Er hat jahrelange Erfahrung, die ist in diesem Geschäft sehr viel wert. Ich bin ja leider Gottes auch schon zwanzig Jahre im Geschäft.

STANDARD: Leider?

Petrikovics: Weil das ein Zeichen von Alter ist.

ZUR PERSON:
Karl Petrikovics (51) arbeitet seit 1990 im Konzern der Industriellenfamilie Turnauer und hat 1994 die Immofinanz gegründet. Der Jurist und Wirt- schaftswissenschafter führt auch die Constantia Privat- bank, die die Immofinanz ma- nagt. Petrikovics (verheiratet, zwei Söhne, rund 1,2 Mio. Euro Jahressalär) zu Privatem: "Mein Sternzeichen ist Stier. Seine Eigenschaften passen zu meinem Job: Bewahren, Zu- sammenraffen, Vermehren." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.7.2005)

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