Nachlese 2005: Lance Armstrong zum Siebenten

4. Juli 2007, 15:32
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US-Amerikaner beendet mit siebentem Gesamt­sieg seine Karriere - Etappe auf Champs Elysées an Winokurow, Eisel Neunter

Paris - Lance Armstrong, einer der größten Athleten der Sportgeschichte, ist am Sonntag auf dem Höhepunkt abgetreten. Der 33-jährige Texaner beendete seine Radprofi-Karriere auf den Pariser Champs Elysees mit dem siebenten Gesamtsieg in der Tour de France in Serie - einem Rekord für die Ewigkeit. "Es gibt keinen Grund weiterzumachen, es ist Zeit für ein neues Gesicht, eine neue Story", erklärte Armstrong, der die 92. Auflage mit 4:40 Minuten Vorsprung auf den Italiener Ivan Basso, dem zweitkleinsten seiner Ära, und 6:21 Minuten auf den Deutschen Jan Ullrich abschloss.

Erstmals seit elf Jahren kein Massensprint in Paris

Den Prestige trächtigen Sieg auf dem Schlussabschnitt in Paris sicherte sich der Kasache Alexander Winokurow, der T-Mobile nach Saisonende verlässt. Bei seinem zweiten Erfolg nach Briancon setzte er sich vor dem Eisel-Kollegen Bradley McGee durch, der auf dem letzten Kilometer attackiert hatte. Damit gab es erstmals seit elf Jahren keinen Massensprint auf der Schlussetappe. Bernhard Eisel, der darauf gehofft hatte, belegte zum Abschluss Rang neun.

Für die Österreicher war es gemessen an Etappenplatzierungen die erfolgreichste Tour im modernen Radsport: Georg Totschnig gewann solo eine Etappe in den Pyrenäen und landete in der Gesamtwertung an der 26. Stelle (+49:14), Peter Wrolich und Eisel belegten in Massensprints die Plätze zwei (3. Etappe) bzw. drei (7. Etappe).

Am letzten Wochenende kehrte der Kapitän des Teams Discovery Channel zum letzten Mal den Chef des Pelotons hervor. Ein Mal gewollt, ein Mal gezwungener Maßen: Am Samstag feierte er im Einzelzeitfahren 23 Sekunden vor Ullrich auch bei seiner finalen Tour einen Einzel-Etappensieg, seinen insgesamt 22. "Das Wesentliche war das Gelbe Trikot. Aber mit diesem Tageserfolg habe ich gezeigt, dass ich der beste Fahrer dieser Tour bin", erklärte Armstrong.

Malheur auf nasser Straße

Am Schlusstag auf der Fahrt nach Paris geriet Armstrong nur ein Mal in Probleme: Zunächst verabschiedete er sich auf der Bummelfahrt von seinen Kollegen, stieß mit den Sportlichen Leitern mit Champagner an - doch dann störte ein Ausreißer (Philippe Gilbert/FRA aus dem Eisel-Team) die Idylle. Er verletzte ein ungeschriebenes Gesetz der Tour - keine Attacke vor den Champs Elysees - zwei Armstrong-Teamkollegen stürzten bei der Verfolgung auf regennasser Fahrbahn, Armstrong selbst konnte gerade noch bremsen.

Seine Blicke waren scharf, die Geste unmissverständlich: Keine weiteren Attacken! Die Tourleitung reagierte und nahm die Zeiten für die Gesamtwertung wegen der rutschigen Strecke schon vor den letzten acht Runden um den Triumphbogen.

Auch seine Gegner erkannten die Qualitäten des ehemaligen Krebspatienten neidlos an. Perfektionist Armstrong, der immer nach technischen Verbesserungen sucht, ist ausgestattet mit enormer Willensstärke und lebte unter Anleitung seines Teamchefs Johan Bruyneel seit seinem Comeback im Frühjahr 1998 nur für die Tour. Er holte die besten Fahrer als Helfer in sein Team, die sich völlig unterordnen mussten - Ausgang zu eigenen Großtaten gab es erst, als der Sieg des Chefs fixiert war.

Mit einem geschätzten Jahreseinkommen von rund 20 Millionen Dollar ist Armstrong ein gemachter Mann - er wird 2006 die Tour im Team-Auto begleiten und seine Ex-Kollegen anfeuern. Und seine möglichen Nachfolger beobachten. Bassos Ambitionen sind unbestritten und auch Jan Ullrich will es noch einmal wissen. "Ich mache bis zu einem zweiten Sieg weiter", erklärte der Gewinner von 1997.

Eisel wieder unter den Top Ten

Bernhard Eisel sprintete zum vierten Mal unter die Top Ten und belegte in der Punkte-Gesamtwertung Rang zehn. Für den Schlussabschnitt hatte sich der Frankreich-Legionär viel vorgenommen. "Ich weiß, ich habe in den letzten Tagen große Töne gespuckt. Daraus wurde aber nichts. Enttäuscht bin ich aber nicht. Jetzt bin ich in Paris und die nächste Tour mit den nächsten großen Zielen kommt bestimmt", sagte der 24-jährige Steirer. (APA/red)

21. Etappe (Corbeil-Essonnes/144,5 km):
1. Alexander Winokurow (KZK(T-Mobile) 3:40:57 - 2. Bradley McGee (AUS/FdJeux.com) - 3. Fabian Cancellara (SUI/Fassa Bortolo) - 4. Robbie McEwen (AUS/Davitamon) - 5. Stuart O'Grady (AUS/Cofidis) - 6. Allan Davis (AUS/Liberty Seguros) - 7. Thor Hushovd (NOR/Credit Agricole) - 8. Baden Cooke (AUS/FdJeux.com) - 9. Bernhard Eisel (AUT/FdJeux.com) - 10. Robert Förster (GER/Gerolsteiner) ... 55. Georg Totschnig (AUT/Gerolsteiner) - 118. Lance Armstrong (USA/Discovery Channel) - 127. Peter Wrolich (AUT/Gerolsteiner), alle gleiche Zeit.

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    Lance Armstrong: "Es gibt keinen Grund weiterzumachen, es ist Zeit für ein neues Gesicht, eine neue Story."

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