Letzter Dialoganlauf der USA im Nordkorea-Streit

26. Juli 2005, 07:25
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Gesprächsrunde über Nordkoreas Atomprogramm in Peking

Begleitet von Verständigungssignalen aus Pjöngjang und Washington beginnt am Dienstag in Peking die vierte Gesprächsrunde über Nordkoreas Atomprogramm. Diplomaten sprechen vom letzten Anlauf der USA für eine Verhandlungslösung.

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Die USA und Nordkorea wollen bei den heute in Peking beginnenden Sechs-Parteien-Gesprächen für beide Seiten akzeptable Lösungen in ihrem Atomstreit finden. Bereits vor der vierten Runde der Verhandlungen trafen sich die Delegationen der beiden verfeindeten Staaten am Montag im Staatsgästehaus Diao Yutai. Es war das erste Mal, dass Washington und Pjöngjang vor dem eigentlichen Verhandlungsanfang miteinander sprachen.

Schritt für Schritt

Das Treffen, das dann 75 Minuten dauerte, wurde möglich, nachdem der neue US-Chefunterhändler und Vizeaußenminister Christopher Hill in Peking erklärt hatte, dass die USA ergebnisorientiert verhandeln wollten. Sie würden sich auf ein schrittweises Vorgehen einlassen, wenn dieses zum Ziel eines atomwaffenfreien Koreas führe: "Wir wollen einige messbare Fortschritte erzielen, auf denen weitere Verhandlungen aufbauen können."

Bei der letzten Runde im Juni 2004 hatten die USA Nordkorea eine Dreimonatsfrist gesetzt, um ihre Atomanlagen abzubauen. Erst dann hätte Pjöngjang im Gegenzug mit Sicherheitsgarantien und Hilfe rechnen können. Die Runde endete ohne Ergebnis.

Diplomaten in Peking sprechen von einem neuen, zugleich aber auch letzten Anlauf der USA, die Atomkrise mit Nordkorea auf dem Verhandlungsweg zu lösen. Unterhändler Hill verfüge über größere Verhandlungsbefugnisse, als sie sein Vorgänger James Kelly unter Außenminister Colin Powell hatte. Hinter Hill stünden sowohl Präsident George W. Bush als auch Außenministerin Condoleezza Rice. "Die beiden ziehen in der Nordkoreafrage an einem Strang."

Gastgeber Peking, einer der wenigen politischen Vertrauten Nordkoreas, unterstützt die Vorgehensweise der USA. Außenminister Li Zhaoxing forderte am Montagabend beim Begrüßungsessen die Delegationen auf, "alles für einen positiven Ausgang der Gespräche zu tun". Er hoffe, dass sie wüssten, "welche Bürde auf ihren Schultern lastet". Ein Scheitern wäre zugleich ein Rückschlag für Chinas außenpolitisches Ansehen.

Chinas Fernsehen überträgt die Eröffnungsansprachen der Vertreter der sechs Länder, zu denen auch Japan, Russland und Südkorea gehören, live. Am Wochenende sickerte durch, dass Pjöngjang auf jüngste Überlegungen der USA positiv reagiert, in der nordkoreanischen Hauptstadt ein US-Verbindungsbüro einzurichten.

Nach den Erfahrungen der letzten drei Runden befürchten selbst chinesische Nordkoreaexperten, dass Pjöngjang wieder auf Zeit spielt, um seine Atomwaffenbestände weiter auszubauen. Eines der Verhandlungsziele Nordkoreas ist, dass der Waffenstillstand, der den Koreakrieg 1953 beendete, durch einen Friedensvertrag mit den Vereinigten Staaten ersetzt wird. (DER STANDARD, Printausgabe, 26.7.2005)

Johnny Erling aus Peking
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