Rede von Bundeskanzler Schüssel

17. Juli 2006, 12:34
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Bundeskanzler Wolfgang Schüssel sprach in seiner Rede "über die Verletzlichkeit unserer Welt". Er stellte die Frage "Was ist das Wesen unserer Gesellschaft und unseres europäischen Modells?" Als Grundlage der Verteidigung der europäischen Werte gelte es zunächst, sich über ihre Grundlagen Klarheit zu verschaffen.

Ein Eckpfeiler sei die "Wertschätzung der persönlichen Freiheit in allen Dimensionen: Die europäische Lebenskultur ist eine Kultur der Freiheit, die es auch im Alltag zu verteidigen gilt", so der Bundeskanzler. "In dieser Frage muss Europa einig zusammenstehen, einig und konsequent."

Wertschätzung von Natur und Lebensqualität

Ein zweites Merkmal sei "unsere Wertschätzung von Natur und Lebensqualität". Dies sei ein genauso verletzlicher Wert und "keineswegs so selbstverständlich, wie wir manchmal glauben". Man müsse aufhören, die Ressourcen künftiger Generationen zu verbrauchen, wichtig sei nicht das nächste Quartalsergebnis sondern die langfristige Sicherung der Zukunft. Europa als Garten der Welt müsse "gepflegt werden und braucht Zuneigung".

Drittens sei konstitutiv, "die Gewissheit Hilfe zu erhalten, wenn man sie braucht": "Europa darf keine Ellbogenkultur sein." Auch diese Solidarität sei jederzeit neu abzusichern. Und schließlich sei das Kulturverständnis in seiner Vielfalt wichtig: "Europa ist nie Einfalt, ist nie Monokultur gewesen."

Identität und Integrität

"Europa ist niemals ein Status, Europa ist immer ein Prozess", sagte Schüssel, es brauche "Identität und Integrität" und eine "europäische Öffentlichkeit, damit sich Europa über seine Ziele klar wird. Eine europäische Zukunft werde nicht automatisch entstehen, sondern aus der nachdenklichen Reflexion, nicht aus dem "Nachbeten von EU-Mantras" - Freiheit sei nur möglich, wenn Verantwortung angenommen und unser Lebensmodell verteidigt werde. Man könne allerdings auch mitten im Kontinent leben, "ohne in Europa überhaupt angekommen zu sein."

Es gelte, das europäische Lebensmodell auch öffentlich zu verteidigen, es gelte hinzusehen, innezuhalten, standzuhalten, zuzuhören und sich einzulassen, so der Bundeskanzler abschließend. Diesen Gedanken werde man zu Beginn des österreichischen EU-Vorsitzes im Jänner 2006 aufnehmen und zu einer großen Konferenz unter dem Titel "Der Klang Europas" einladen, stellte Schüssel fest. (APA)

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