VW-Chef: Keine Werkschließung geplant

31. Juli 2005, 18:22
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Kosten müssen runter - Pischetsrieder sieht sein Unternehmen als Übernahmekandidaten

Braunschweig - Der deutsche Autokonzern Volkswagen (VW) muss nach den Worten von Vorstandschef Bernd Pischetsrieder seine Kosten senken, um gegen die Konkurrenz aus Asien dauerhaft bestehen zu können. Der "Braunschweiger Zeitung" (Samstag) sagte Pischetsrieder, die neuen Schichtmodelle müssten so gestaltet werden, dass "vermeidbare Zuschläge auch vermieden werden". Dies sei für die Mitarbeiter natürlich nicht angenehm, aber "wir müssen von den zu hohen Kosten runter, da gibt es kein Vertun".

Die Unternehmensspitze will vor allem durch Wegfall von Nachtschichten Zulagen von rund 70 Millionen Euro sparen. Eine Einigung mit dem Betriebsrat gibt es bisher nicht. Pischetsrieder versicherte, Werksschließungen seien nicht geplant.

Beim notwendigen Personalabbau werde der im Vorjahr abgeschlossene Tarifvertrag eingehalten, der betriebsbedingte Kündigungen in den sechs westdeutschen Werken bis 2011 ausschließe. Der Tarifvertrag lasse aber andere Möglichkeiten zu. So könnten in den nächsten drei Jahren in Westdeutschland 6000 Mitarbeiter über das Altersteilzeitprogramm ausscheiden, erläuterte der Konzern-Chef.

Pischetsrieder bekräftigte, für das Konzernergebnis gelte weiter die Prognose, "dass das operative Ergebnis - also der Gewinn aus dem laufenden Geschäft - 2005 höher als im Vorjahr ist. Im Vorjahr lag es bei 1,6 Milliarden Euro". Bis 2008 solle das Ergebnis vor Steuern netto um vier Milliarden Euro verbessert werden. "Weil es auch steigende Belastungen gibt, müssen die Einsparungen und Verbesserungen brutto höher sein. Bei der Marke VW sind wegen der negativen Marktbedingungen Ergebnisverbesserungen von sieben Milliarden Euro bis 2008 vorgesehen." Für den Konzern gebe noch keine Zahl, sagte er der "Braunschweiger Zeitung".

Pischetsrieder äußerte sich zuversichtlich, dass der geplante Geländewagen auf Golf-Plattform im Wolfsburger Stammwerk gebaut werden könne. VW verlangt Zugeständnisse der Belegschaft. Die Kosten müssten um 850 Euro je Wagen gesenkt werden, sagte Pischetsrieder. Ohne diese Senkungen werde "es das Auto entweder gar nicht oder hier nicht geben". Der Verkauf des neuen Golf Plus liegt laut Vorstandschef "bisher unter Plan". Es werde zwei Jahre dauern, bis er voll akzeptiert werde. Dafür laufe der Golf derzeit besser und der neue Golf GTI sei "ein richtiger Renner".

Pischetsrieder sieht sein Unternehmen als mögliches Übernahmeziel für Finanzinvestoren, die aus einer Zerschlagung des Autokonzerns Profit schlagen wollen. Derartige Pläne könnten durch den derzeitigen Börsenwert von Volkswagen motiviert sein, der niedriger sei als der tatsächliche Gesamtwert der Konzernteile.

Das so genannte VW-Gesetz, das die Stimmrechte eines einzelnen Aktionärs auf maximal 20 Prozent begrenzt, hält er für kein unüberwindliches Übernahmehindernis. "Wenn zwei oder drei große Fonds bei VW einsteigen wollen und ein gemeinsames Interesse haben, dann haben sie auf der Hauptversammlung angesichts der niedrigen Präsenz eine Mehrheit", sagte der Vorstandschef laut Vorabbericht vom Freitag. Das Land Niedersachsen ist mit 18 Prozent VW-Hauptaktionär.

Größter Schutz gegen einen Aufkauf sei "die Tatsache, dass aus Kartellgründen kein Wettbewerber mit Ausnahme von Toyota das Unternehmen übernehmen darf", sagte Pischetsrieder. Er gab zugleich zu bedenken: "Es könnten allerdings Investoren einsteigen, die das Unternehmen anschließend zerschlagen wollen, weil der tatsächliche Wert höher als die Börsenkapitalisierung ist." (APA/dpa/Reuters)

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