Dissidentin Roque festgenommen

23. Juli 2005, 17:17
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Nach Protest vor französischer Botschaft

Havanna - Nach Protesten von Oppositionsanhängern in Havanna hat die kubanische Regierung nach Angaben von Menschenrechtsverfechtern mehrere führende Dissidenten festnehmen lassen, unter ihnen die bekannte Aktivistin Martha Beatrix Roque. Roque sei am Freitag beim Verlassen ihres Hauses von Mitarbeitern der Staatssicherheit mitgenommen worden, sagte Elizardo Sanchez, der Präsident der kubanischen "Kommission für Menschenrechte und Nationale Versöhnung". Über ihren Aufenthaltsort sei nichts bekannt.

Mindestens 20 weitere Dissidenten seien festgenommen worden, darunter mehrere führende Mitglieder des von Roque gegründeten "Verbandes für die Förderung der Zivilgesellschaft" (APSC). Sanchez bezeichnete die Festnahmen als "willkürlich" und als eine eklatante Verletzung der Menschenrechte. Wegen ihrer regimekritischen Aktivitäten war Roque bereits 2003 zu 20 Jahren Haft verurteilt worden, im Jahr darauf allerdings aus gesundheitlichen Gründen auf freien Fuß gesetzt worden.

Weitere Festnahmen

Roque gehörte zu den Organisatoren einer Protestkundgebung vor der französischen Botschaft in Havanna, bei dem am Freitag etwa ein Dutzend Oppositioneller gegen die jüngst erfogte Normalisierung der Beziehungen zwischen Frankreich und Kuba protestiert sowie die Freilassung politischer Gefangener gefordert hatte. Kubas Außenminister Felipe Perez Roque war zum französischen Nationalfeiertagsempfang am 14. Juli eingeladen worden.

Die EU hatte 2003 vorübergehend diplomatische Sanktionen gegen Kuba verhängt, nachdem die Regierung in Havanna 75 Regimegegner eingesperrt hatte. Ende vergangenen Jahres wurden einige freigelassen. Die EU hatte ihre Kritik an Kuba wegen anhaltender Menschenrechtsverletzungen bekräftigt, aber auf Wunsch Spaniens von der Wiedereinführung der im Jänner ausgesetzten Sanktionen Abstand genommen. Im Mai hatten die kubanischen Behörden mehrere Parlamentarier aus EU-Ländern, unter ihnen den Menschenrechtsaktivisten und tschechischen Senator Karel Schwarzenberg, des Landes verwiesen. (APA/AFP)

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