Schreiner: "Warne Parteifreunde vor Dämonisierung" - Liebäugeln mit Koalition
Hamburg - Im linken Parteiflügel der deutschen
Regierungspartei SPD wird über eine Zusammenarbeit mit der
Linkspartei von Oskar Lafontaine und Gregor Gysi nach der
Bundestagswahl nachgedacht. "Ich warne meine Parteifreunde dringend
vor einer Dämonisierung oder Verhetzung der Linkspartei", sagte der
Vorsitzende der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen,
Ottmar Schreiner, der "Bild am Sonntag". "Jetzt schon Festlegungen zu
irgendwelchen Bündnissen zu treffen, sei es Schwarz-Rot oder
Rot-Rot-Grün, wäre völlig verfehlt."
Die SPD-Bundestagsabgeordnete Sigrid Skarpelis-Sperk, die wie
Schreiner zum linken Parteiflügel zählt, sagte der Zeitung: "Sollten
Union und FDP keine Mehrheit erzielen, wird man neben Schwarz-Rot
auch Rot-Rot-Grün in Betracht ziehen." Die SPD-Politikerin ließ eine
Präferenz für die zweite Variante erkennen: "Eine große Koalition
stärkt radikale Kräfte am linken und rechten Rand."
Linkspartei im Aufwind
In jüngsten Umfragedaten ist der Vorsprung von Union und FDP
geschmolzen, weil die Linkspartei immer mehr Zuspruch bekommt.
CDU/CSU sind zwar weiter deutlich stärkste Partei vor der SPD,
könnten aber möglicherweise mit ihrem Wunschkoalitionspartner allein
keine Mehrheit im Bundestag haben. Die SPD-Führung hat jedoch eine
Koalition mit der Linkspartei, die mit bis zu zwölf Prozent der
Stimmen rechnen kann, kategorisch ausgeschlossen. Beobachtern zufolge
dürfte Rot-Grün aber nur durch Duldung der Linkspartei eine Mehrheit
im Bundestag zu Stande bringen. (APA/AFP)