LA: Isinbajewa knackt Traummarke, Weidlinger löscht Uralt-Rekord aus

29. Juli 2005, 12:39
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Die Stabhochspringerin überquerte als erste Frau fünf Meter - Weidlinger verbesserte Marke von Millonig über 5.000 Meter

London - Stabhochsprung-Olympiasiegerin Jelena Isinbajewa ist der aktuelle Star der Leichtathletik-Szene. Die 23-jährige Russin übersprang am Freitag beim Super-Grand-Prix-Meeting in London als erste Frau die Fünf-Meter-Schallmauer, drang mit dem neuen Weltrekord von 5,00 Metern in eine neue Dimension der noch jungen Disziplin vor.

Serie von Weltrekorden

Die Überfliegerin aus Wolgograd hatte die Weltrekord-Jagd 2005 Anfang des Monats bei der "Athletissima" in Lausanne eröffnet, als sie ihre eigene Bestleistung mit Leichtigkeit auf 4,93 Meter verbessert hatte. Bereits damals war klar, dass Isinbajewa früher oder später an die Fünf-Meter-Türe klopfen würde.

Nachdem sie die Bestmarke vergangenen Samstag in Madrid bereits auf 4,95 Meter geschraubt hatte, blies sie im Stadion von Chrystal Palace zum Angriff: Erst überflog sie die Latte bei 4,96 Metern, danach ließ die Russin die historischen fünf Meter auflegen - 20 Jahre und neun Tage, nachdem ihr Vorbild, der Ukrainer Sergej Bubka, in Paris als erster Mann die 6,00-Meter-Marke übertroffen hatte.

Großes Vorbild Bubka

"Ich erinnere mich daran, wie wenn es gestern gewesen wäre", meinte Bubka, der mit 6,14 Metern immer noch den unerreichten Freiluft-Weltrekord hält. "Man kann die beiden Barrieren auf alle Fälle vergleichen. Für eine Frau sind fünf Meter eine unglaubliche Leistung." Isinbajewa hat es sich zum Ziel gesetzt, ihr großes Vorbild in einer Hinsicht zu überflügeln: 35 Weltrekorde hatte der Ukrainer in seiner Karriere ersprungen, sein weibliches Pendant hält mittlerweile bei 17, deren zehn unter freiem Himmel.

"Es war mein Traum, als erste Frau über fünf Meter zu springen. Ich kann meine Gefühle gar nicht beschreiben. Ich liebe diese Anlage, dieses Stadion. Die Leute sind genial", erklärte die 1,73 m große Modellathletin, die selbst bei ihrem Sprung in eine Sphäre noch Reserven zeigte: "Ich weiß nicht, wie weit ich noch gehen kann - vielleicht bis 5,05 Meter oder noch höher."

Weidlinger verbesserte ÖLV-Rekord über 5.000 m

Günther Weidlinger wartete in London auch auf seiner zweiten Spezialdistanz mit einer starken Leistung auf. Nach Rang vier über 3.000 m Hindernis beim Golden-League-Meeting in St. Denis am 1. Juli in persönlicher Saisonbestzeit verbesserte der Oberösterreicher nun bei seiner WM-Generalprobe sogar den österreichischen Uralt-Rekord über 5.000 Meter. Weidlinger belegte in dem Weltklassefeld in 13:13,44 Minuten den fünften Rang und drückte die ÖLV-Bestmarke von Dietmar Millonig aus dem Jahr 1982 (18.8. in Zürich) um 1,87 Sekunden.

Weidlinger hat nun die Qual der Wahl: Über welche Distanz soll er bei der WM in Helsinki antreten? "Ich habe jetzt auf beiden Strecken eine gute Zeit stehen. Ich glaube, über die 3.000 m Hindernis hätte ich bessere Chancen, aber ich werde alles mit meinem Vater abwägen und dann entscheiden", sagte Weidlinger, der auch die ÖLV-Rekorde über die Hindernisstrecke (8:10,83 aus dem Jahr 1999) und über 1.500 m (3:34,69 aus dem Jahr 2000) hält.

"Ich bin mit dem Ziel gekommen, persönliche Bestzeit oder wenn möglich Rekord zu laufen, jetzt bin ich voll zufrieden", freute sich der 27-Jährige aus Neukirchen/Enknach. Er hatte sich das Rennen perfekt eingeteilt. "Die erste Gruppe war mir zu schnell, am Schluss habe ich noch zusetzen können." Den Sieg sicherte sich Weltrekordler Kenenisa Bekele (ETH) in 12:55,55 Minuten vor dem starken Australier Craig Mottram (12:56,13). Vor Weildinger landeten nur noch Bernard Kiprop Kipyego (KEN/13:12,47) und Abdihakem Abdirahman (USA/13:13,32).

Duell der Sprint-Superstars an Olympiasieger

Währenddessen erfuhren die Hoffnungen von 100-m-Weltrekordler Asafa Powell auf Gold bei den Weltmeisterschaften in Helsinki (6. bis 14. August) in London einen herben Dämpfer. Im Final-Duell der Sprint-Superstars musste der 22-jährige Jamaikaner, der am 14. Juni in Athen 9,77 Sekunden gelaufen war, bereits nach 20 Metern wegen einer Adduktorenverletzung, die ihn bereits zuvor zur Absage einiger Starts veranlasst hatte, aufgeben. Den Sieg sicherte sich der US-amerikanische Olympiasieger Justin Gatlin in 9,89 Sekunden. (APA)

Ergebnisse des Leichtathletik-Super-GP-Meetings:

Frauen:

  • Stabhochsprung: 1. Jelena Isinbajewa (RUS) 5,00 m WR - 2. Anna Rogowska (POL) 4,80 - 3. Dana Ellis (CAN) 4,47
  • 200 m: 1. Allyson Felix (USA) 22,16 - 2. Veronica Campbell (JAM) 22,29 - 3. LaTasha Colander (USA) 22,30
  • 800 m: 1. Neisha Bernard Thomas (Grenada) 2:02,00 - 2. Jenny Meadows (GBR) 2:02,05
  • 400 m: 1. Sanya Richards (USA) 50,35 Sek. - 2. Ana Guevara (MEX) 50,68 - 3. Monique Hennagan (USA) 50,93
  • 100 m Hürden: 1. Kirsten Bolm (GER) 12,59
  • Speerwurf: 1. Laverne Eve (BAH) 60,66
  • Weitsprung: 1. Rose Richmond (USA) 6,62 m - 2. Jackie Edwards (BAH) 6,62 - 3. Grace Upshaw (USA) 6,56

    Männer:

  • 100 m: 1. Justin Gatlin (USA) 9,89 - 2. Leonard Scott (USA) 9,94 - 3. Kim Collins (SKN) 10,00. Aufgegeben wegen Verletzung: Asafa Powell (JAM)
  • 200 m: 1. Wallace Spearmon (USA) 19,89 Sek. - 2. Usain Bolt (JAM) 19,99 - 3. Tyson Gay (USA) 19,99
  • 800 m: 1. Gary Reed (CAN) 1:45,52 - 2. Khadevis Robinson (USA) 1:45,72
  • 400 m: 1. Timothy Benjamin (GBR) 44,75 Sek. - 2. Jeremy Wariner (USA) 44,86 - 3. Darold Williamson (USA) 45,23
  • 1.500 m: 1. Bernard Lagat (USA) 3:33,12 Min. - 2. Alan Webb (USA) 3:33,16 - 3. Michael East (GBR) 3:33,32
  • 5.000 m: 1. Kenenisa Bekele (ETH) 12:55,55 Min. - 2. Craig Mottram (AUS) 12:56,13 - 3. Bernard Kipyego (KEN) 13:12,47 - weiter: 5. Günther Weidlinger (AUT) 13:13:44 (ÖR)
  • 400 m Hürden: 1. Bershawn Jackson (USA) 47,98 Sek.
  • Hochsprung: 1. Wjatscheslaw Woronin (RUS) 2,30 - 2. James Nieto (USA) 2,27 - 3. Jesse Williams (USA) 2,27
  • Dreisprung: 1. Nathan Douglas (GBR) 17,32
  • Kugel: 1. Christian Cantwell (USA) 21,60 m - 2. Reese Hoffa (USA) 21,11 - 3. John Godina (USA) 20,80
    • Bild nicht mehr verfügbar

      Isinbajewa realsiert den historischen Sprung.

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