Das Komet-Hochhaus wird deutlich gestutzt

17. Juli 2006, 16:41
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Nach massiven Welterbe-Bedenken wird das Projekt für die Neubebauung der Komet-Gründe bis Jahresende neu erarbeitet...

Die ursprünglich geplante Höhe soll deutlich unterschritten werden. Dazu gibt es eine "persönliche Einschätzung" des Stadtrates: Rund 60 Meter.

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Wien - Das Hochhausprojekt für die "Komet"-Gründe in Meidling ist gefallen - jetzt soll bis Jahresende ein neuer Entwurf erarbeitet werden. Ebenfalls mit einem Hochhaus, das aber in etwa nur halb so groß werden soll: rund 60 Meter.

Als DER STANDARD vergangenen Dezember Visualisierungen des geplanten Hochhauses aus der Sicht vom Schloss Schönbrunn veröffentlichte, sorgte das für gehörige Unruhe: Bis hin zur Welterbe-Organisation Icomos, die vor einem derartigen Vorhaben warnte - auch wenn das Hochhaus knapp außerhalb der Pufferzone des Welterbes Schönbrunn errichtet würde.

Als dann in dieser Sache auch noch seitens der Unesco selbst nachdrücklich bei der Stadt Wien angeklopft wurde, war der Turm auf politischer Ebene gekippt. Das Formale Ende kam dann per Bezirksbeschluss, in dem die geplante Höhe abgelehnt wurde.

Visualisierungen nicht mehr veröffentlicht

So wurden zwar noch im Magistrat eigene Visualisierungen des ursprünglichen Projektes gefertigt - die aber nicht mehr veröffentlich wurden, "da sie einen nicht mehr aktuellen Stand der Bearbeitung darstellen", wie der örtlichen Bürgerinitiative seitens der MA 21B (Stadtteilplanung) mitgeteilt wurde: Es sei "von der Stadtplanung eine Überarbeitung des Projektes veranlasst" worden.

"Das neue Projekt soll bis Jahresende fertig sein", bestätigt der Wiener Planungsdirektor Arnold Klotz im STANDARD-Gespräch. "Die neuen Pläne werden dann auf jeden Fall auf ihre Verträglichkeit überprüft."

Planungsstadtrat Rudolf Schicker (SP) hatte dann als "persönliche Einschätzung" für das neue Projekt eine mögliche Höhe von etwa 60 Metern genannt. Fest stehe derzeit aber nur, "dass sich der Investor ein neues Projekt überlegen muss", hieß es am Freitag im Büro Schicker. 60 Meter seien dabei "kein Richtwert, der anzustreben ist".

Wie immer das neue Vorhaben aussehen wird: Die Gegner des Projektes haben indes sicherheitshalber Unterlagen aus dem Jahre 1994 ausgegraben. Damals wurde ein neuer Flächenwidmungsplan für das Gebiet zwischen Grünbergstraße - Wienfluss - Lobkowitzbrücke und Schönbrunner Straße ausgearbeitet. Also genau dort, wo nun der Neubau errichtet werden soll.

Besondere Bedeutung

Dazu hatte im August 1994 der Fachbeirat für Stadtplanung entschieden: "Der Bebauung im Bereich des Wientales kommt eine besondere städtebauliche Bedeutung zu. Es wird daher empfohlen, Neubauten auch durch die Angabe einer Geschoßzahl höhenmäßig zu begrenzen, um eine bessere Integration von Neubauten in das historisch gewachsene Erscheinungsbild zu erreichen."

Als dann der Widmungsentwurf im September in die öffentliche Auflage ging, hieß es, man wolle damit auch "eine einheitliche Bebauung entlang des Wientalbereiches" erzielen. (DER STANDARD-Printausgabe, 23./24.07.2005)

Von Roman David-Freihsl
  • Musterbeispiel für eine "geringfügige Abweichung" und Ergänzungen: Der Milleniumstower wurde von 120 bis 140 Meter auf insgesamt 202 Meter gestreckt.
    foto: robert newald

    Musterbeispiel für eine "geringfügige Abweichung" und Ergänzungen: Der Milleniumstower wurde von 120 bis 140 Meter auf insgesamt 202 Meter gestreckt.

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