Letzte "menschliche Chiffriermaschine" der Comanche gestorben

25. Juli 2005, 13:36
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Charles Chibitty diente im Zweiten Weltkrieg in der US-Armee als "Code-Talker" - Sprache seines Volks nicht entschlüsselbar

Washington - Wenn Charles Chibitty (83) seine Nachrichten von vorderster Front durchgab, verstand die deutsche Wehrmacht nicht einmal Bahnhof. Chibitty vom Volk der Comanche (früher: "Komantschen") arbeitete nach der Landung der Alliierten in der Normandie 1944 als "lebende Chiffriermaschine" in der US-Armee. Seine Nachrichten in seiner Sprache konnten die deutschen Abwehrspezialisten nicht knacken.

Als letzter von 17 Comanche seiner Nachrichtenkompanie sei der mehrfach ausgezeichnete Kriegsheld nun am Mittwoch in einem Pensionistenheim in Tulsa (US-Bundesstaat Oklahoma) gestorben, berichtete die Tageszeitung "Oklahoman" am Freitag.

Umschreibungen, die Rätsel aufgaben

Who-chew-no-ah-Vuk-kuta hieß beispielsweise in Chibittys Muttersprache "schwangeres Flugzeug" und bezeichnete einen Bomber. Weil Begriffe aus dem Militär zu modern für die altüberlieferte Indianersprache waren, behalfen sich die so genannten Code-Talker mit derartigen Umschreibungen. Aus Panzern wurden einfach "Schildkröten". "Ich habe mich gefragt, was zum Teufel Hitler wohl dachte, wenn er die komischen Stimmen hörte", sagte Chibitty einmal während einer öffentlichen Veranstaltung im Juni 2002.

1989 ehrte die französische Regierung den Comanche mit dem Orden "Chevalier de L’Order National du Merite". Auch in den USA erhielt Chibitty Anerkennungsurkunden und Militärauszeichnungen.

Die so genannten "Code-Talker" zählen zu den berühmten und erfolgreichen Militärgeheimnissen. Die Sprachen der amerikanischen Ureinwohner (Comanche, Navajo und Haudenosaunee bzw. "Irokesen") war damals nicht dokumentiert und bis 1968 durften die ehemaligen Soldaten nicht einmal ihren Familien von ihrem Militäreinsatz im Zweiten Weltkrieg erzählen. (APA/dpa)

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    Charles Chibitty

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