"Cursed/ Verflucht": Der Wolf im Spiegelkabinett

22. Juli 2005, 20:22
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B-Movie-Horror: Wes Cravens "Cursed/ Verflucht" präsentiert sich als Neuauflage des Wer wolf-Films, eines Sub genres des Horrorfachs

Wien - Wenn es ein Synonym für den selbstreflexiven US-Horrorfilm der jüngeren Zeit gibt, dann ist es das Duo Wes Craven (Regie) und Kevin Williamson (Drehbuch). Mit Scream schufen sie den Prototyp des postmodernen Slashers, der das kollektive Wissen um die Regeln des Genres mit Selbstironie offen legte und zugleich die Zügel der Spannungsdramaturgie eng zu halten vermochte. Cursed/Verflucht, der neuen Zusammenarbeit der beiden, eilt indes kein guter Ruf heraus:

Von Unstimmigkeiten im Produktionsprozess war die Rede, Nachdrehs sollen angeordnet worden sein - und vor dem US-Start wurde die Kritik mit wenigen Vorführungen abgespeist. Cursed präsentiert sich als Neuauflage des Werwolf-Films, eines Subgenres des Horrorfachs, das in den 80ern mit Joe Dantes The Howling oder John Landis' An American Werewolf in London seine größten Erfolge verbuchen konnte, seinen Urvater aber in The Wolf Man (1941) hat.

Nahe liegend, dass diese lange Traditionslinie von Craven/Williamson aufgegriffen wird: Sie fackeln nicht lange und setzen das Geschehen in und rund um Hollywood an - allerdings nicht im Umfeld der Filmproduktion, sondern an Orten, denen das Kino viel verdankt: einem Jahrmarkt, einem Wachsfigurenhaus oder dem Mulholland Drive.

Sinneswandel

Dort kommt es zur ersten Begegnung mit der Bestie, die TV-Produktionsassistentin Ellie (Christina Ricci) und ihr jugendlicher Bruder Jimmy (Jesse Eisenberg) werden infiziert. Letzterer beginnt zu recherchieren, als er plötzlich ungeahnte Kräfte entwickelt und darin nicht von ungefähr an die Pubertätsnöte eines Spider-Man erinnert.

Seine Schwester erschnuppert zwar das Nasenbluten einer Kollegin, versucht die plötzliche Stärkung der Instinkte aber zu verdrängen. Es ist nicht wirklich originell, auf welchen Wegen Cursed die wachsende Erkenntnis des Geschwisterpaares inszeniert und zugleich den möglichen Widersacher im Arsenal der US-Teenie-Kostars sucht.

Craven hält sich eng an die Genrevorgaben, und Williamson dröselt sie erstaunlich wenig auf. Die Schauwerte haben eher untergeordneten Rang (es gab schon spektakulärere Verwandlungsszenen), aber als sympathisch niederschwelliges B-Movie-Horrorstück, das in einem von Orson Welles' The Lady from Shanghai entlehnten Spiegelkabinett seinen Showdown findet, hat der Film durchaus seine Reize. (DER STANDARD, Printausgabe, 23./24.07.2005)

Von Dominik Kamalzadeh

"Cursed/ Verflucht"
  • "Verflucht" - Christina Ricci bemerkt an sich seltsame Veränderungen.
    foto: buena vista

    "Verflucht" - Christina Ricci bemerkt an sich seltsame Veränderungen.

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