Gehirnwäsche in geheimen Zirkeln

24. Juli 2005, 16:12
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Wie Terroristen den Nachwuchs rekrutieren

London/Wien - Die jungen Muslime, die zu Terroristen wurden, müssen gezielt von Anwerbern ausgesucht und einer "Gehirnwäsche" unterzogen worden sein, glaubt der gemäßigte islamische Aktivist Abdul Bary Malik aus dem nordenglischen West Yorkshire, wo die Tatverdächtigen zumindest der ersten Londoner Terrorwelle herstammen. Die örtlichen Prediger, zumeist alte Pakistani, die kaum Englisch sprechen, hätten den Einfluss auf Jugendliche verloren, sagt Malik, der im April dem STANDARD noch von Fortschritten im Dialog zwischen Muslimen und Behörden berichtet hatte.

Malik und andere Muslim-Vertreter waren aktiv geworden, nachdem es in Bradford zu Straßenschlachten zwischen Jugendlichen und der Polizei gekommen war; mehrere Einwandererkinder mussten für Jahre ins Gefängnis. Seit 9/11 würden viele Firmen zudem auch gut ausgebildete Muslime nicht mehr anstellen, die Zuwanderer lebten in Hochburgen wie Leeds und Bradford noch isolierter als früher. Laut BBC-Umfrage zeigten 44 Prozent von ihnen für Al-Kaida Verständnis. Eine Studie der Regierung schätzt den Anteil der Gewaltbereiten auf etwa ein Prozent (immerhin 16.000 von 1,6 Millionen Muslimen in Großbritannien).

Auch manche Terrorexperten glauben, dass es weniger die Hassprediger sind, die Jugendliche zu Terroristen machen. Agitatoren würden im Umfeld von Moscheen und Klubs aus der Haft Entlassene, aber auch frustrierte Gebildete ansprechen und in geheimen Zirkeln für den Terror gewinnen. (Erhard Stackl/DER STANDARD, Printausgabe, 23./24.7.2005)

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