Tirol: "Die Weisungen häufen sich"

24. Juli 2005, 21:13
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Naturschutz-Landesrätin Hosp ermöglicht Seilbahn im Zillertal

Innsbruck/Kaltenbach - Per Weisung hat Tirols Naturschutzlandesrätin Anna Hosp (VP) die Errichtung einer zweiten Zubringerbahn in Kaltenbach im Zillertal durchgesetzt. Hier entsteht im Winter das größte Skikarussell des Tales. Die Umweltschutzabteilung des Landes hatte sich wegen des zu erwartenden Verkehrsanstiegs im ohnehin belasteten Tal dagegen ausgesprochen.

"Die Weisungen häufen sich", bemerkt nüchtern der langjährige Leiter der Umweltschutzabteilung, Gerhard Liebl, der demnächst in Pension geht. "Ich bin seit 20 Jahren im Umweltbereich tätig. Früher gab es Weisungen nur bei ganz wesentlichen Dingen. Das hat sich geändert."

Die neue Seilbahn der Bergbahnen Hochzillertal wird parallel zu einer bestehenden in Kaltenbach errichtet. Sie befördert ins weit verzweigte Skigebiet Hochzillertal, in dem bereits 20 Anlagen betrieben werden. Im Winter wird durch den Zusammenschluss mit Hochfügen das größte Skigebiet des Zillertals entstehen: Die Förderleistung wird von 30.000 Personen pro Stunde auf 60.000 verdoppelt.

In der Wintersaison verkehren auf der Zillertalstraße zwischen 15.000 und gut 18.000 Fahrzeuge täglich. An Wochenenden erreicht der Rückstau bei der Autobahnausfahrt Strass sechs bis zehn Kilometer. Im Brettfalltunnel am Taleingang wird regelmäßig im Schritttempo gekrochen.

Keine weitere Belastung tragbar

Dass das Zillertal keine weitere Belastung vertrage, sei auch Landesrätin Hosp bewusst, heißt es in deren Büro. Sie selbst weilt auf Urlaub. Der Bescheid sei im Vertrauen auf ein Verkehrskonzept erlassen worden, das der Verkehrsverbund Tirol ausarbeitet. Es soll die Zillertalbahn besser mit den Skibussen der Liftgesellschaften vernetzen. Die allen bekannte Schwierigkeit dabei: Die Liftbetreiber wehren sich gegen Vernetzung, weil sie Benutzerzahlen preisgeben müssten.

Für Umweltanwalt Sigbert Riccabona sei zuerst das Stauproblem zu lösen, "bevor man über eine neue Seilbahn redet". Er habe aber kein Rechtsmittel. Für Peter Haßlacher, Raumplaner im Alpenverein (OEAV), ist das Zillertal "das Modellbeispiel einer unersättlichen Wachstumsspirale", vor der der OEAV vor 15 Jahren gewarnt habe. Dreimal sei hier in den letzten Jahren jeweils das größte Skigebiet entstanden. Die Aufschaukelei müsse mit Mut und Kraft durchbrochen werden. (bs, DER STANDARD-Printausgabe, 23./24.07.2005)

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