"Investkredit-Fusion nicht für alle Ewigkeit ausgeschlossen"

31. Juli 2005, 18:00
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ÖVAG-Chef Franz Pinkl gesteht der Investkredit ihre Eigenständigkeit zu – "für die nächste Zeit". Die nö. Klage hält er im STANDARD-Gespräch für "überzogen"

STANDARD: Nach sieben Monaten und einigen Turbulenzen gehört die Investkredit der Österreichischen Volksbanken AG, ÖVAG. Raiffeisen und BA-CA mussten Sie aber statt 123 stolze 141 Euro je Aktie zahlen. Warum geriet die Sache doch schwieriger als erwartet?

Pinkl: Wir haben unseren Investkredit-Anteil in sieben Monaten von 3,5 Prozent auf 97 Prozent aufgestockt – das ist rasch. Zumal wir ja nicht nur mit einem einzigen Verkäufer verhandeln mussten, sondern mit bunt gemischten Bankeigentümern.

STANDARD: Sie lassen sich die Bank 840 Millionen Euro kosten. Ist das nicht übertrieben?

Pinkl: Nein, der Preis ist fair und angemessen. Wir haben einen strategischen Zuschlag bezahlt, weil wir uns mit der Investkredit in den Markt der Finanzierung von Großunternehmen einkaufen. Damit werden wir zur Nummer drei. Dazu kommen die Immobiliengeschäfte der Europolis und die Finanzierung der öffentlichen Hand in der Kommunalkredit. Gemeinsam haben wir großes Potenzial und werden noch kräftig wachsen.

STANDARD: Haben Erste, Bawag und Städtische, die sie um 123 Euro ausgekauft haben, eine Besserungsklausel?

Pinkl: Nein. Die Entwicklung war damals nicht absehbar.

STANDARD: Die ÖVAG braucht nun eine Kapitalerhöhung. Werden Sie die durchbringen und zieht die RZB mit?

Pinkl: Laut den Signalen, die ich höre, wird Raiffeisen mittun. Wir wollen die Beschlüsse für die Kapitalerhöhung im Herbst fassen, die Höhe prüfen wir noch.

STANDARD: Raiffeisen haben Sie mit Ihrem Coup enerviert. Um den Sektor zum Verkauf weich zu streicheln, haben Sie ihm Ihre 41 Prozent an der niederösterreichischen Hypobank versprochen. Das Land als Mehrheitseigner besteht aber auf sein Aufgriffsrecht und hat geklagt. Schlecht vorbereitet?

Pinkl: Mein Verhältnis zu Raiffeisen ist gut; wir sind im Geschäftsleben und nicht in einem Mädchenpensionat. Und zur NÖ-Hypo: Wir hatten nie vor, diesen Verkauf am Land vorbei zu machen, und ich halte die Schiedsklage des Landes für überzogen. Faktum ist, dass wir der RLB NÖ-Wien eine Option auf unsere 41 Prozent eingeräumt haben, unter der Voraussetzung, dass das Land zustimmt. Ohne Zustimmung bleibt die Hypo bei uns.

STANDARD: Da entgingen Ihnen angeblich 74 Mio. Euro.

Pinkl: Es entginge uns gar nichts, denn statt des Erlöses hätten wir die Bank und ihren Ertrag. Mich beunruhigt diese Sache in keiner Weise.

STANDARD: Wer wird nach der Integration welches Geschäft machen?

Pinkl: Fix ist erst, dass die Unternehmensfinanzierung zur Investkredit ressortiert. Wir erwarten in erster Linie Ertragssynergien. Die ÖVAG ist sehr erfolgreich im Kreieren neuer Produkte, die nun auch die Investkredit verkaufen kann. Und sie kann Märkte wie Italien, Bulgarien oder Rumänien nützen, in denen die Volksbanken schon sind, die Investkredit aber noch nicht.

STANDARD: Wann geht die Investkredit in der ÖVAG auf?

Pinkl: Als nächstes werden wir in Abstimmung mit der Übernahmekommission einmal den Squeeze-out der drei Prozent Streubesitz durchführen. Die Investkredit bleibt in der nächsten Zeit eigenständig, eine Fusion ist derzeit kein Thema. Aber natürlich ist sie auch nicht für alle Ewigkeit ausgeschlossen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23./24.7.2005)

Zur Person

Franz Pinkl (48) ist seit 1973 bei der Volksbank, seit Ende 2003 ÖVAG-Chef. Die damals gestartete Investkredit-Übernahme ist seit einer Woche fix.

Das Gespräch führte Renate Graber.

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    foto: standard/hendrich
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