Ärzte wehren sich gegen Behauptungen der Bestechlichkeit

23. Juli 2005, 10:49
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Standesregeln ebnen im Verdachtsfall Weg für Disziplinarverfahren

Graz - Gegen Behauptungen der Bestechlichkeit von hausapothekenführenden Ärzten setzte sich am Freitag die Steirische Ärztekammer zur Wehr: "Wir fordern jene, die was wissen auf, ihre Vorwürfe zu konkretisieren und die Fakten auf den Tisch zu legen. Dann können wir ein Disziplinarverfahren einleiten", so Herbert Emberger, Kammeramtsdirektor der Ärztekammer für Steiermark. Bisher sei kein einziger derartiger Fall der Ärztekammer gemeldet worden, so Jörg Pruckner, Obmann der Niedergelassene Ärzte der Ärztekammer.

"Ich weise Pauschalverurteilungen entschieden zurück", so Pruckner. Die bestehenden Standesregeln der Steirischen Ärztekammer seien eindeutiger als die österreichische Gesetzgebung und "eindeutig genug", um bei Verstößen ein entsprechendes Disziplinarverfahren anstrengen zu können, so Emberger. "Eine Geschenkannahme - insbesondere von dritter Stelle - die den Verdacht der Bestechlichkeit oder der Beeinflussung der ärztlichen Entscheidung zum Vorteil des Arztes zur Folge haben kann, ist unzulässig", zitierte Emberger den Paragraph 13 der Standesordnung. Die Meldung einer Verletzung ziehe ein Disziplinarverfahren vor einer unabhängigen Disziplinarkommission mit sich.

"Es gibt keine Hinweise, dass die Ärztinnen und Ärzte sich nicht daran halten", betonte Ärztesprecher Jörg Pruckner. Hinsichtlich der Annahme von Naturalrabatten präzisierte Pruckner: "Das ist eine ganz offizielle Geschichte. Es handelt sich dabei nicht um Geschenke, sondern um konkrete Handelsangebote, die auch auf jedem Lieferschein ausgewiesen sind". Dafür würden die hausapothekenführenden Ärzte auch monatlich nur 88 Prozent der Medikamentenkosten in Rechnung stellen. "Den hausapothekenführenden Ärzten werden von den Kassen 12 Prozent von den Rechnungen abgezogen, Apotheken zahlen um die Hälfte weniger", so Pruckner. (APA)

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