"Betriebswirte sind nicht die profitorientierten Bösen"

7. März 2006, 12:45
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Die Wiener Wirtschaftsuniversität (WU) und das Rote Kreuz Österreich präsentieren den ersten Lehrstuhl für Nonprofit-Management in Österreich.

"Initiativen im NPO Bereich gibt es an der WU seit vielen Jahren, der Lehrstuhl ist aber eine Neuigkeit." So erläutert Christoph Badelt, der Rektor der WU, den Anlass der Pressekonferenz am Freitag in Wien.

"Mich hat es schon immer gestört, dass Betriebswirte meist als "die Bösen, die nur auf Profit aus sind" angesehen werden." Michel Meyer, der Inhaber des neuen Lehrstuhls, ist der Ansicht, dass die Bedeutung des Managements im gemeinnützigen NPO-Sektor meist unterschätzt wird.

Neue Probleme

Das Entwicklerteam sieht in der Forschung im NPO-Bereich wichtige Grundlagen für zukünftiges Handeln. Meyer ist überzeugt, dass dieser Bereich an Bedeutung gewinnen wird. Er begründet diese Prognose unter anderem mit der fortschreitenden Überalterung unserer Gesellschaft. "Es werden neue soziale Problemlagen auftauchen."

Neue Lösungen

Um diesen neuen Problemlagen kompetent entgegentreten zu können, plant das Institut für NPO-Management eine Professionalisierung des Nonprofit-Management. Meyer über seine Wunschvorstellung von der Entwicklung des neuen Instituts: "Wirtschaftsstudierende sollen sich – zumindest mittelfristig gesehen – auf NPO-Management spezialisieren können." Noch hat sich das Institut in erster Linie der Forschung gewidmet. "Der Nonprofit-Sektor in Österreich ist bislang großteils unerforscht, weil er in der "Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung" der Statistik Austria nicht erfasst wird" erklärt Meyer.

Forschungsfragen des Instituts

Erstes Ziel des Forschungsinstituts ist es also, Grundlagen auf dem Gebiet zu erforschen. Unter anderem soll auch dem Verhältnis zwischen NPOs und Staat sowie den Motiven der freiwilligen Mitarbeiter von NPOs auf den Grund gegangen werden. Ein weiteres Forschungsziel sei es, so Meyer, herauszufinden, was den Erfolg einer NPO ausmacht, was die eine solche Organisation antreibt.

Finanzielle Stütze

Das Rote Kreuz wird den Lehrstuhl vorerst auf drei Jahre mit jährlich 40.000 Euro unterstützen. Werner Kerschbaum, der stellvertretende Generalsekretär vom "Österreichischen Roten Kreuz" sieht diese Unterstützung nicht als Sponsoring, sondern als "lohnendes Investment in die eigene Zukunft". Es läge in ihrer Verantwortung, Bedarfssituationen zu erkennen und darauf zu reagieren, so Kerschbaum. Dennoch sei es ein Ziel, andere Finanzierungsquellen für den Lehrstuhl zu finden.

Von Sophie Preisch

Link zum Institut
www.npo.or.at


Lehrgang "Health Care"
www.wu-healthcare.at

Lehrgang ISMOS
www.ismos.at
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