Jede dritte CEE-Bank ist "österreichisch"

31. Juli 2005, 18:00
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BA-CA-Studie: Baltische Institute fest in Auslandshand, nun locken Russland und Ukraine

Wien - Die großen westeuropäischen Bankengruppen haben die Märkte in den mittel- und osteuropäischen Ländern bereits fest unter ihre Kontrolle gebracht. In Estland und Litauen, der Slowakei, Kroatien und Albanien beträgt der Anteil der Banken in ausländischem Besitz bereits über 90 Prozent, wie aus einer Studie der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) hervorgeht, die am Freitag veröffentlicht wurde. Noch nahezu unbetretenes Neuland sind hingegen Russland und die Ukraine, hier sind die Claims noch nicht abgesteckt.

Insgesamt hat sich der Anteil internationaler Banken in Mittel- und Osteuropa (CEE) in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdreifacht und liegt derzeit bei 69 Prozent (aliquotiert nach Beteiligung). Gut ein Drittel davon entfällt auf Banken aus Österreich. "Rechnet man die Bilanzsummen von mehrheitlich in Auslandsbesitz befindlichen Banken in Zentral- und Osteuropa zusammen, so werden heute schon drei Viertel des Bankgeschäfts von internationalen Banken abgewickelt", sagt die Chefökonomin der BA-CA, Marianne Kager.

Interesse weiter hoch

Das Interesse der West-Banken an der CEE-Region ist dennoch ungebrochen. "Osteuropa ist auch nach fünfzehn Jahren Transformation noch ein sehr dynamischer Bankenmarkt und das wird in den kommenden Jahren auch so bleiben", zeigt sich Kager überzeugt. Nachdem die Märkte in den neuen EU-Mitgliedsländern bereits weitgehend aufgeteilt sind, wandern die begehrlichen Blicke immer weiter nach Osten - dort sind erst 8 Prozent der Banken im Eigentum ausländischer Kreditinstitute.

Heute sind in Osteuropa insgesamt rund 400 Banken mit einer Bilanzsumme von etwa 440 Mrd. Euro tätig. Inklusive Russland und Ukraine sind es über 2.000 Banken mit einer Bilanzsumme von mehr als 650 Mrd. Euro.

Großes Aufholpotenzial bei Krediten

Dass es im Osten für die Banken noch immer viel zu holen gibt, zeigt ein einfacher Vergleich: Der Intermediationsgrad (Bilanzsumme in Prozent des BIP) beträgt im Euroraum durchschnittlich 206 Prozent. In der CEE-Region ohne Russland und Ukraine beträgt er 74 Prozent, in ganz Mittel- und Osteuropa nur 59 Prozent.

Besonders großes Aufholpotenzial gibt es bei den Krediten: Im Schnitt nimmt das Kreditvolumen in der Gesamtregion CEE jährlich um fast ein Viertel zu. Im Euroraum liegt die jährliche Zuwachsrate bei nur 4 Prozent. Die BA-CA-Volkswirte gehen davon aus, dass sich dieser Trend in leicht abgeschwächter Form in den nächsten Jahren fortsetzen wird - in den Jahren 2006 bis 2008 wird ein jährliches Plus von 17 Prozent beim Kreditvolumen erwartet.

"Das Neukreditvolumen wird in den nächsten vier Jahren mit etwa 370 Mrd. Euro deutlich höher liegen als in den vergangenen vier Jahren mit 150 Mrd. Euro", so Kager. Besonderen Nachholbedarf haben offenbar die Konsumenten in den CEE-Ländern: Bei den Privatkrediten lag das durchschnittliche Wachstum in den vergangenen vier Jahren bei 40 Prozent pro Jahr. Heuer werden die Privatkredite laut BA-CA-Studie um mehr als 30 Prozent wachsen.

Tabelle: Anteil internationaler Banken in CEE
(in Prozent)

Österreich (mit BA-CA)    29,4
Italien                   13,3
Belgien                   10,3
Deutschland (ohne BA-CA)   7,7
Frankreich                 7,5
USA                        6,9
Niederlande                6,5
Schweden                   5,4
Irland                     1,8
Griechenland               1,7
Ungarn                     1,1
Portugal                   0,7
Großbritannien             0,5
(APA)
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