Austro-Institute machten Plätze gut

31. Juli 2005, 18:04
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"The Banker": Citigroup unter den 1.000 weltgrößten Banken weiter führend - BA-CA als bestes heimisches Institut auf Rang 79

Wien - Die nach Kernkapital größte Bank der Welt ist laut dem aktuellen Ranking des Financial Times-Fachmagazins "The Banker" einmal mehr die Citigroup (USA, 74.415 Mio. Dollar), gefolgt von der ebenfalls amerikanischen JP Morgan Chase und der britischen HSBC Holdings auf Platz drei. Im Bilanzsummenvergleich führt die Schweizer UBS (1.533 Mrd. Dollar) vor Citigroup (1.484 Mrd. Dollar) und der japanischen Mizuho Financial Group (1.296 Mrd. Dollar).

Die größte Bank Deutschlands, die Deutsche Bank, fiel gemessen am Kernkapital von 25.507 Mio. Dollar vom 12. auf den 21. Platz zurück, nach der Bilanzsumme liegt die Deutsche Bank mit 1.144 Mrd. Dollar auf Rang 8. Allen Zahlen liegt der zuletzt verfügbare Bilanzabschluss, meist per 2004, zu Grunde.

Hypo Alpe-Adria macht Riesensatz nach vorn

Unter den 1.000 weltgrößten Banken finden sich auch dieses Jahr wieder 19 österreichische Kreditinstitute. Während sich 13 heimische Banken im neuen Ranking verbesserten, rutschten sechs etwas nach hinten. Den kräftigsten Sprung nach vorne vollzogen auf Basis der Zahlen von 2004 die Kärntner Hypo Alpe-Adria-Bank, die 144 Plätze gut machen konnte, sowie die Raiffeisen Landesbank Oberösterreich (RLB OÖ), die 121 Plätze aufholte.

BA-CA bleibt größte heimische Bank

Größte heimische Bank sowohl nach Kernkapital als auch nach Bilanzsumme blieb die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA), die als Tochter der HypoVereinsbank (HVB) im Ranking aber nur pro forma angeführt wird, da ihre Ergebnisse bereits bei der HVB berücksichtigt werden. Die BA-CA belegt mit einem Kernkapital von 7.582 Mio. Dollar (derzeit 6.221 Mio. Euro) Platz 79 nach Platz 81 im Jahr davor. Die HVB als Mutterkonzern der BA-CA ist nach Kernkapital auf Platz 29 (32) vorgerückt.

Als zweitgrößtes Kreditinstitut folgt die Erste Bank einschließlich Sparkassengruppe (5.962 Mio. Dollar) auf Rang 95 (99). Die Steiermärkische Bank und Sparkasse, die Allgemeine Sparkasse OÖ und die Tochterbanken Tiroler und Salzburger Sparkasse werden zur Sparkassengruppe gezählt und daher im Ranking nicht extra berücksichtigt.

RZB deutlich verbessert

Die Raiffeisen Zentralbank (RZB) als drittgrößtes heimisches Institut (4.263 Mio. Dollar) konnte sich im weltweiten Ranking deutlich um 31 Ränge auf Platz 131 (162) verbessern. Würde die Raiffeisen Bankengruppe analog zur Erste Bank/Sparkassengruppe gereiht werden, hätte sie den 64. (66.) Platz belegt.

BAWAG verlor drei Plätze, ÖVAG mit Sprung nach vorn

Dagegen verlor die BAWAG/P.S.K.-Gruppe (2.414 Mio. Dollar) drei Plätze und liegt nun als viertgrößtes österreichisches Institut auf Rang 196 (199). Danach folgt mit einem Kernkapital von 1.958 Mio. Dollar die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) auf Platz 239 (270). Gemeinsam mit der jüngst übernommenen Investkredit (785 Mio. Dollar) würde sie mit 2.743 Mio. Dollar aber vor der BAWAG/P.S.K.-Gruppe liegen.

Die RLB OÖ als sechstgrößtes österreichisches Kreditinstitut verbesserte sich im internationalen Ranking um 121 Plätze auf Rang 305 (426). Noch kräftiger zulegen konnte die Hypo Alpe-Adria-Bank, die die Investkredit, die RLB NÖ-Wien und die Oberbank überholte und mit 1.077 Mio. Dollar Kernkapital nun das siebtgrößte heimische Institut ist. Im Ranking verbesserte sie sich um 144 Plätze auf Rang 372, nachdem sie bereits im Vorjahr 107 Plätze auf Platz 516 aufgestiegen war.

Im Ranking der heimischen Banken folgen die Investkredit (455/475), RLB NÖ-Wien (464/476), Oberbank (480/489) und RLB Steiermark (586/569). Letztere verschlechterte sich im internationalen Ranking etwas. Hypo Vorarlberg (641/659), Bank für Tirol und Vorarlberg (BTV, 667/670), Donau-Bank (680/725 - als Tochter der russischen VOB nur pro forma) und Hypo Tirol (680/714) konnten sich verbessern. Im Ranking zurückgefallen sind dagegen die RLB Tirol (728/714), der Raiffeisenverband Salzburg (790/763), die Bank für Kärnten und Steiermark (BKS, 827/821) und die Volkskreditbank (843/841).

Österreicher hinken bei Rentabilität hinterher

Keine Überraschung birgt das aktuelle Ranking hinsichtlich der Performance, die sich an den Bilanzkennziffern Return on Equity (RoE) bzw. Return on Assets (RoA) orientiert. Nach Eigenkapitalrendite (RoE) kommen trotz allgemeiner Ertragsverbesserungen in Zentral- und Osteuropa nur fünf österreichische Banken unter die Top 500, beim RoA schafft es nur die Raiffeisen Zentralbank (RZB) in die erste Tabellenhälfte.

Der österreichische Bankensektor bleibe auch nach den wieder kräftigen Anstiegen im Jahr 2004 im Vergleich zu den meisten westeuropäischen Märkten von strukturellen Defiziten gekennzeichnet, so die RZB. So sei etwa die Nettozinsmarge deutlich geringer als im westeuropäischen Durchschnitt und die Filialdichte signifikant höher.

Im Zusammenspiel mit einem scharfen Wettbewerb am überbesetzten inländischen Bankenmarkt führe dies im Landesdurchschnitt zu deutlich niedrigeren Eigenkapitalrenditen. "Einer Bestätigung durch das Fachmagazin 'The Banker' hätte es zwar nicht mehr bedurft", meinte dazu RZB-Generaldirektor Walter Rothensteiner: "Trotzdem mag diese Veröffentlichung den einen oder anderen Zweifler davon überzeugen, dass österreichische Bankdienstleistungen zu den günstigsten weltweit gehören." Rothensteiner ist als Obmann der Bundessparte Bank und Versicherung oberster Banken-Standesvertreter in der Wirtschaftskammer Österreich.

Profitabilität gesteigert

Weltweit konnte die Bankbranche noch einmal deutlich zulegen. Die durchschnittliche Profitabilität (RoA, gemessen am Vorsteuergewinn zu Kernkapital) lag 2004 bei 19,86 Prozent nach bereits sehr guten 17,56 Prozent im Jahr 2003. Gründe hierfür sind das insgesamt freundlichere gesamtwirtschaftliche Umfeld, Konsolidierungen in den Bankenmärkten Japan und Deutschland, ein weltweit expansiver Retailsektor sowie nicht zuletzt die technologischen Fortschritte.

Die profitabelsten Banken bleiben die US-Institute, wenn auch mit leicht nachlassender Dominanz. So finden sich unter den "Top 1000" noch 197 US-Banken nach 211 im Jahr zuvor. In der EU-25 sind die britischen Banken mit einer Profitabilität von 26,3 Prozent an der Spitze, gefolgt von Schweden (24,4 Prozent), Belgien (20,5 Prozent), Frankreich (19,3 Prozent), Spanien (19,1 Prozent), Niederlande (17,6 Prozent), Italien (17,4 Prozent) und Österreich (16,9 Prozent). Die deutschen Banken kommen nur auf 6,8 Prozent.

Auffällig ist weiters, dass die 297 Banken unter den 1.000 größten aus der Europäischen Union 43,1 Prozent des gesamten Kernkapitals und 50 Prozent der gesamten Bilanzsumme auf sich vereinen. Mit einem Anteil von 39,6 Prozent (215,3 Mrd. Dollar) hat die EU auch den mit Abstand größten Anteil an der Gewinnsumme der Top 1000 (USA: 27,9 Prozent bzw. 151,5 Mrd. Dollar). (APA)

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